Ärzte Zeitung online, 02.02.2009

Forscher in Kanada entwickeln Bluttest für BSE

NEW YORK/CALGARY (dpa). Forscher in Kanada haben einen Bluttest entwickelt, mit dem sich der gefürchtete Rinderwahnsinn künftig möglicherweise schon Monate vor Ausbruch der Krankheit feststellen lässt. Ihre Arbeit sehen die Wissenschaftler als Meilenstein, da sich die Diagnostik erheblich verbessern könnte.

"Das wäre ein großer Durchbruch, weil wir dann nicht mehr das Gehirn des toten Tieres untersuchen müssten, sondern einen einfachen Schnelltest haben - ähnlich wie bei einem Vaterschaftstest", sagte der deutsche Molekularbiologe Christoph Sensen von der Universität in Calgary am Freitag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in New York. Allerdings werde es noch etwa vier Jahre dauern, bis das Verfahren auch ausreichend an Kühen getestet sei.

In dem von Sensen geleiteten Projekt haben die Wissenschaftler bisher vor allem infizierte und nicht-infizierte nordamerikanische Rothirsche (Wapitis) untersucht, weil sich bei ihnen die Krankheit schneller entwickelt. Bei monatlichen Proben entdeckten sie im Blut der infizierten Tiere bestimmte DNA-Muster, die durch die Stressreaktion des Körpers auf die Krankheit entstehen. "Bei den Rothirschen konnten wir die Krankheit so schon sechs Monate vor Ausbruch nachweisen", sagte Sensen.

Bisher wird in einem BSE-Verdachtsfall dem getöteten Tier das Gehirn entnommen und einem Protein-Test unterzogen. Der Nachweis über die DNA-Muster im Blut sei sehr viel billiger, einfacher und zuverlässiger, sagte Sensen. "Ähnlich wie bei dem Trichinentest für Schweinefleisch, der mit einem blauen Stempel bestätigt wird, könnten wir zum Beispiel mit einem grünen Stempel Rindfleisch als "BSE-getestet" ausweisen", so der Wissenschaftler. Sein Team arbeitet bereits mit deutschen und kanadischen Experten zusammen, um nach Abschluss der Untersuchungen möglichst rasch eine Zertifizierung zu bekommen.

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