Ärzte Zeitung online, 08.09.2009

Die Therapie mit neuen Strahlenarten revolutioniert Kampf gegen Krebs

MÜNCHEN (eb). Neue Entwicklungen für Diagnose und Therapie von Krebs stehen im Mittelpunkt des Weltkongresses für Medizintechnik, der noch bis zum 12. September in München stattfindet. Mehr als 3000 Mediziner, Wissenschaftler und Ingenieure nehmen daran teil.

Die Highlights des Kongresses finden sich auf den Gebieten der modernen Bildgebung, vor allem bei der Weiterentwicklung diagnostischer Verfahren mit Röntgenstrahlung und Magnetresonanz (MR), sowie der Therapie mit neuen Strahlenarten besonders im Kampf gegen Krebs. "Die Zukunft liegt in der Verknüpfung von Bildgebung und Therapie, woraus eine wesentlich schonendere und effizientere Behandlung der Patienten resultiert", konstatiert Professor Wolfgang Schlegel vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg und Präsident des Kongresses.

Durch das Phasen-Kontrast-Röntgen erfahren die klassischen Röntgenbilder eine ganz neue Brillanz. Der neue Ansatz nutzt die Phasenverschiebung der Strahlung, wenn sie ein Objekt durchdringt. Auf diese Weise kann der Kontrast auch bei Weichteilgeweben deutlich erhöht werden, was nicht zuletzt die Mammografie stark verbessern wird. Um nicht länger auf Synchrotronstrahlung angewiesen zu sein, stehen nun eine Art "Röntgenoptik" und eine kompakte Röntgenquelle zur Verfügung, die das Phasen-Kontrast-Röntgen in herkömmlichen Radiologen-Praxen ermöglichen könnte. Eine erstaunlich einfache Anordnung aus drei Gittern generiert so die notwendige monochromatische Röntgenstrahlung. Professor Franz Pfeiffer, heute am Fachbereich Physik der TU München, hat Anfang 2009 für diese bahnbrechende Entwicklung den renommierten Latsis-Preis erhalten: "Anders als beim klassischen Röntgen steht bei unserer Methode nicht die Intensität im Vordergrund, sondern die Art, wie ihre Wellenlänge im Körper verschoben wird."

Neue Möglichkeiten mit Röntgenstrahlen werden auch in der Therapie erwartet. So zielen mehrere Innovationen darauf ab, den Tumor direkt während der Bestrahlung sichtbar zu machen und so seine Bewegungen und Verschiebungen zu beobachten. "In der Strahlentherapie vollzieht sich zurzeit ein Wandel durch die Integration bildgebender Verfahren direkt in den Behandlungsablauf", so Schlegel.

Ein weiteres Highlight der Tagung ist die Hadronentherapie. Hier geht es darum, zur Behandlung von Krebs statt der bisher eingesetzten Röntgenstrahlung Teilchenstrahlung in Form von beschleunigten Protonen oder schwereren Ionen-Kernen - zum Beispiel C-12-Kohlenstoff- oder O-16-Sauerstoff-Atomkernen - einzusetzen. Da man mit diesen Strahlenarten die Strahlendosis besser auf das Tumorgewebe konzentrieren und das notwendigerweise durchstrahlte gesunde Gewebe besser schonen kann, gilt die Hadronentherapie als sehr zukunftsträchtig, aber wegen der notwendigen großen Beschleuniger - Zyklotronen oder Synchrotronen - auch als sehr teuer.

Um eine Bildgebung auf völlig anderer Basis geht es schließlich beim "magnetic particle imaging", kurz MPI genannt. Dabei fungieren winzige Nanopartikel aus superparamagnetischem Eisenoxid als Tracer für metabolische Prozesse. Positiv an diesem Verfahren ist vor allem, dass auf radioaktive Teilchen verzichtet werden kann. "Ziel dieser Bildgebung ist es, biomolekulare Prozesse im Körper abzubilden und damit Krankheiten sehr viel früher als bisher zu erkennen und zu charakterisieren", so der zweite Kongresspräsident Professor Olaf Dössel, Leiter des Instituts für Biomedizinische Technik der Universität Karlsruhe.

[09.09.2009, 08:35:48]
Dipl.-Psych. Christine Trübner 
Kernfusion bzw. Hadronentherapie
Interessant dass Experimente mit der Teilchenfusionsgroßanlage in Cern solche medizinischen Resultate mit sich bringt. Aus der Mondlandung haben wir die Teflonpfanne, gibt es die noch? Und von der in Cern demnächst zu erwartenden (11.9.09?)Urknallsimulation zum Zwecke der Beobachtung und Auswertung der entstandenen Variationsmöglichkeiten- haben wir nun eben den Hadronen-"beschießer" - wenns was bringt außer Kosten.... zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Borderline und Psychosen "heilen" mit Antiepileptika

Manche psychisch Kranken brauchen keine Neuroleptika, sondern Antikonvulsiva. Tauchen im EEG bestimmte Muster auf, ist das ein Hinweis auf eine paraepileptische Psychose. mehr »

Epilepsierisiko nach Sepsis erhöht

Überleben Patienten eine Sepsis, ist die Gefahr epileptischer Anfälle in den folgenden Jahren vier- bis fünffach erhöht. mehr »

PKV muss für unverheiratete Paare zahlen

Nach Überzeugung des Oberlandesgerichts (OLG) Karlsruhe ist die Beschränkung der Kostenerstattung für eine künstliche Befruchtung auf Ehepaare in der PKV unzulässig. mehr »