Ärzte Zeitung, 13.04.2004

Zweisprachige Leitfäden für Ärzte und Patienten

Ergebnisse eines Modellprojekts / Sprachprobleme erschweren kinderpsychiatrische Versorgung von Migranten

DÜSSELDORF (akr). Sprachprobleme zwischen Arzt und Patient sind besonders prekär bei möglicherweise psychisch kranken Kinder, deren Eltern kein oder nur wenig deutsch können.

Deutsche und türkische Experten haben deshalb gemeinsam zweisprachiges Material für Ärzte, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und Beratungsstellen entwickelt. Dazu gehören ein Leitfaden zur Erhebung des Krankheitsbildes und eine Elterninformation zu psychischen Störungen und Krankheiten wie dem Zappelphilipp-Syndrom.

Die Materialien sind Ergebnisse eines Modellprojekts zur ambulanten kinderpsychiatrischen Versorgung von Migrantenfamilien in Essen. Kinder aus Migrantenfamilien leiden genauso häufig an psychischen Störungen wie die deutscher Familien, nehmen aber viel seltener Hilfe in Anspruch.

"Wenn eine Gesundheitseinrichtung sich stärker auf die Lebenssituation und die Bedürfnisse von Zugewanderten einstellt und sie auch in ihrer Muttersprache ansprechen kann, dann kommen die Menschen in die Beratung und Behandlung", sagte Landesgesundheitsministerin Birgit Fischer (SPD).

Nachdem in der kinderpsychiatrischen Ambulanz der Rheinischen Kliniken Essen ein türkischer Psychologe eingesetzt wurde, nahmen dreimal mehr türkische Familien die Einrichtung in Anspruch als vorher. Der kürzlich erschienene Bericht über das Projekt enthält einen deutsch/türkischen Anamnese-Leitfaden für Ärzte, in dem nach Kinderkrankheiten und Auffälligkeiten wie Aggressionen gefragt wird.

Spezielle Informationen für Eltern, die ausdrücklich kopiert werden dürfen, erläutern die Hintergründe von Störungen wie dem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom auf türkisch und deutsch.

Der Bericht des Landesgesundheitsministerium NRW kann heruntergeladen werden: www.mgsff.nrw.de

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