Ärzte Zeitung, 09.12.2004

Die "Ärzte Zeitung" hat fünf Thesen zu dicken Kindern unter die Lupe genommen. Was stimmt wirklich?


These 1:
Es gibt immer mehr dicke Kinder


These 2:
Immer mehr dicke Kinder haben Arthrose


These 3:
Typ-2-Diabetes bei Kindern nimmt zu


These 4:
Dicke Kinder gefährden ihr Herz


These 5:
Sofa statt Ball - Kinder werden schlapper

Deutschland, ein Land voll schlapper, dicker Kinder?

Immer mehr Kinder seien dick, und ihr kardiales Risiko sei erhöht, sagen Pädiater und Gesundheitspolitiker / Noch fehlen jedoch genaue Daten

Die alarmierenden Warnungen zum Gesundheitszustand unseres Nachwuchses zwingen jeden im Gesundheitswesen Tätigen, sich eingehend mit dem Thema zu beschäftigen. Doch ist der von Wissenschaftlern und Politikern geforderte Handlungsbedarf durch Fakten belegt?

Es lohnt sich auf jeden Fall, genauer hinzusehen, ob immer mehr Kinder zu dick sind. Denn stimmt die derzeit geschätzte Zahl von über drei Millionen dicken Kindern und schleppen diese ihre Pfunde mit ins Erwachsenenalter, dann ist in naher Zukunft mit einem enormen Zuwachs an Patienten mit gewichtsassoziierten, chronischen Erkrankungen zu rechnen - mit all den damit verbundenen sozialen und ökonomischen Folgen.

Präventionsprogramme zu Übergewicht bei Kindern und Projekte für mehr Bewegung und mehr gesunde Kost, sowie Therapiepogramme für bereits zu dicke Kinder sollen dem nun entgegenwirken.

Schon heute kostet es nach Angaben im "Deutschen Ärzteblatt" zirka 25 Milliarden Euro im Jahr, übergewichtige Bundesbürger zu behandeln. Zusätzlich fließen 20 Milliarden in die Therapie von Menschen mit Herz-Kreislauf-Krankheiten, 17 Milliarden in die von Patienten mit Muskel- und Skeletterkrankungen und drei Milliarden in die von Diabetes. Und tatsächlich scheint auch bei immer mehr Kindern die Gesundheit unter zu viel Fett zu leiden.

Wie üblich in Deutschland fehlen jedoch ausreichende epidemiologische Daten. Immerhin: Es mehren sich valide Studiendaten, daß extremes Übergewicht das Entstehen von Typ-2-Diabetes bereits bei Kindern fördert, ebenso wie Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen.

Professor Martin Wabitsch von der Kinderklinik Ulm sieht aufgrund dieser Erkenntnisse gar eine Generation mit hohem Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko heranwachsen. Genaue Daten zur Prognose der Kinder gibt es noch nicht. Noch unklar ist auch, ob es in naher Zukunft immer mehr junge Menschen gibt, die wegen Übergewichts vorzeitig eine Arthrose entwickeln.

Trotz noch vieler fehlender Daten: Pädiater und Gesundheitspolitiker sind besorgt. Und nach bisher vorhandenen Daten sind die Befürchtungen wohl nicht unberechtigt.

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