Ärzte Zeitung, 15.03.2005

Unterspritzen behebt leichte Fehlbildung des Harnleiters

Abbaubares Gemisch wird unter die Harnleitermündung injiziert / Fibroblasten und Kollagen fixieren später den Ureter in seiner neuen Lage

TÜBINGEN (ars). Bis vor wenigen Jahren konnte jene Fehlbildung der Harnleiter, die dem vesikoureteralen Reflux (VUR) zugrunde liegt, nur durch eine offene Operation behoben werden. Mittlerweile ist sie weitgehend von der endoskopischen Harnleiterunterspritzung abgelöst worden, die bei einem VUR Grad I bis III ambulant und komplikationsarm möglich ist.

Früher bestand die einzige Therapiemöglichkeit bei VUR-bedingter rezidivierender Pyelonephritis in einer Dauerprophylaxe mit Antibiotika oder einer Antirefluxplastik. Dabei war es bei nur mäßig stark ausgeprägten Befunden oft schwierig, eine Entscheidung für oder gegen einen operativen Eingriff zu treffen. Das berichtete Dr. Hans-Walter Hacker von der Universität Tübingen bei einem Symposium an der dortigen Kinderklinik.

Diese Situation änderte sich grundlegend, als 1998 in Europa und 2001 in den USA ein Füllstoff für die endoskopische Behandlung der VUR zugelassen wurde (Deflux®). Dieses Gemisch aus Glukose- und Hyaluronsäure-Ketten, unter die Mündung des Harnleiters injiziert, bildet ein Polster, das den Ureter an dieser Stelle etwas anhebt und verengt.

Wichtig ist nach Hackers Angaben eine konsequente Diagnostik vor und nach dem Unterspritzen, etwa mit Miktionszystogramm (MCU, Röntgen der Blase) zur Nierenfunktionsprüfung oder Isotopen-Nephrogramm (ING) zum Nachweis von Komplikationen wie Abflußstörungen.

Wie Langzeitstudien ergeben haben, lösen die injizierten Mikropartikel keine Immun- oder Fremdkörperreaktionen aus und wandern, anders als die auch getesteten Teflon- oder Silikonteilchen, nicht ins umliegende Gewebe. Sie werden im Lauf der Zeit abgebaut, aber Fibroblasten und Kollagene, die sich um sie herum angesammelt haben, fixieren den Ureter in seiner neuen Lage und verbessern dessen Ventilfunktion.

Das Unterspritzen dauert 15 Minuten und kann ambulant vorgenommen werden. Es ist weniger invasiv als eine Op und mit weniger Komplikationen verbunden. Allerdings liegt auch die Erfolgsrate niedriger: Sie beträgt 70 Prozent. Den Patienten mit einem VUR IV und V hilft nach wie vor nur eine Operation.

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