Ärzte Zeitung, 10.10.2005

Zappelphilippe leiden stark an ihren Symptomen

Kinder sind emotional belastet und haben geringes Selbstwertgefühl / Studie zur Lebensqualität bei ADHS

BREMEN (ugr). Streß von morgens bis abends - und das jeden Tag. Auf diesen kurzen Nenner lassen sich die Belastungen für Betroffene bei Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bringen. In einer spanischen Studie wurde jetzt belegt, daß die Lebensqualität von Kindern mit ADHS besonders stark beeinträchtigt ist.

Dr. Andrea Caby: Kinder mit ADHS sind in ihrer Lebensqualität stärker beeinträchtigt als Kinder mit Asthma. Foto: ugr

An der prospektiven Fall-Kontrollstudie haben 333 Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren teilgenommen (Pediatrics 116, 2005, e364). Das hat Dr. Andrea Caby aus Papenburg beim Kongreß für Kinder- und Jugendmedizin in Bremen berichtet. In einer von drei Studiengruppen waren Kinder, bei denen kürzlich ADHS diagnostiziert worden war.

In der zweiten Gruppe waren Kinder mit chronischem Asthma bronchiale. Außerdem gab es eine Kontrollgruppe mit gesunden Kindern. Mit einem Elternfragebogen (Child Health Questionnaire, CHQ) wurden Parameter zur Lebensqualität abgefragt. In zehn von 14 der Parameter schnitten Kinder mit ADHS im Vergleich zu Kindern mit Asthma schlechter ab.

Besonders ausgeprägte Unterschiede ergaben sich nach Angaben von Caby bei körperlich bedingten sozialen Einschränkungen, bei der emotionalen Belastung der Eltern und bei familiären Aktivitäten. Auch beim Selbstwertgefühl schnitten die Kinder mit ADHS signifikant schlechter ab.

"Die Ergebnisse belegen, daß ADHS das Leben von Kindern stärker beeinträchtigt als eine chronische Erkrankung wie Asthma", hob die Kinder- und Jugendärztin bei der Veranstaltung des Unternehmens Lilly hervor. "Nahezu jede Domäne des psychosozialen Funktionsniveaus war bei den Kindern mit ADHS stärker beeinträchtigt als bei gesunden Kindern oder bei Kindern mit Asthma."

Nur durch eine frühe Diagnose und eine angemessene multimodale Therapie lassen sich die Belastungen der betroffenen Kinder und ihrer Familien reduzieren und die Lebensqualität verbessern. Angeboten werden Ergo- und Verhaltenstherapie, Elternschulung und bei vielen Kindern auch eine medikamentöse Behandlung.

Mit dem selektiven Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Atomoxetin (Strattera®), der seit wenigen Monaten in Deutschland zur Behandlung von Kindern ab sechs Jahren mit ADHS zugelassen ist, lasse sich meist die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessern, sagte Caby.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Zufallsbefunde – Wer sucht, der findet

Bei der bildgebenden Diagnostik kann es vorkommen, dass unerwartet ein Befund jenseits des eigentlichen Anlasses auftaucht. Das sollte man den Patienten klarmachen – vorher. mehr »

Streit um "Strafgebühr" im Krankenhaus

KBV-Chef Gassen fordert für Patienten, die mit Bagatellerkrankungen in die Notfallambulanz der Kliniken kommen, eine Gebühr. Das hält die DKG für "schlicht falsch". Die Linke mutmaßt: "Notaufnahmen nur für Reiche"? mehr »

Das hilft bei "Fettleber"

Patienten mit nichtalkoholischer Fettleber können sich selbst helfen - indem sie gesünder leben. Forscher haben Biomarker ausfindig gemacht, die offenbar die Veränderung der Leberfibrose vorhersagen können. mehr »