Ärzte Zeitung, 12.07.2006

Kinder mit ADHS brauchen eine multimodale Therapie

Bei Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sind Arzneimittel nur ein Therapiebaustein / Idealismus der Pädiater ist gefordert

NÜRNBERG (sto). Kinder und Jugendliche, bei denen nach einer sehr sorgfältigen Diagnostik eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) festgestellt wird, bedürfen einer multimodalen Therapie. Zu dieser gehört auch Psychoedukation.

Eine Mutter unterstützt ihr Kind bei den Hausaufgaben. Bei ADHS ist zu motivieren besonders wichtig. Foto: BilderBox

Besondere Bedeutung bei der Therapie von Kindern und Jugendlichen mit ADHS habe die Aufklärung und Beratung von Betroffenen, Eltern und Erziehern, so Kinder- und Jugendarzt Dr. Klaus Skrodzki aus Forchheim. Hinzu kommen die Psychoedukation, aber auch die Förderung von Bewegung, Körperkontrolle und Koordination, betonte Skrodzki beim 36. Kinder- und Jugendärztetag in Nürnberg.

Die wirkungsvollste Maßnahme sei nach wie vor eine medikamentöse Therapie. Ist diese notwendig, müsse die Einstellung auf das Medikament stets individuell nach seiner Wirkung mit unretardierten Präparaten erfolgen, empfahl Skrodzki bei einem Symposium des Unternehmens Medice.

Erste Wahl sei dabei Methyl-phenidat (vom Unternehmen als Medikinet® angeboten). Atomoxetin biete möglicherweise neue therapeutische Optionen, sei aber in der Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte noch nicht genannt.

Die Dosis des Arzneimittels sollte langsam in wöchentlichen Abständen gesteigert werden. Gewöhnlich liege die durchschnittliche Dosis zwischen 0,5 und 1 mg/kg Körpergewicht, selten höher als 1 mg/kg KG. Eine Korrelation zwischen Körpergewicht und notwendiger Dosis bestehe jedoch nicht, betonte Skrodzki.

Mit den Eltern sollte wöchentlich, mit dem Lehrer alle 14 Tage Rücksprache genommen werden. Da bei älteren Schulkindern oft eine drei- bis viermalige Einnahme pro Tag erforderlich ist, sollte dann eine Umstellung auf ein Retardpräparat in Erwägung gezogen werden.

Trotz aller Verbesserungen bleibe die Behandlung von Patienten mit ADHS eine Herausforderung, sagte Skrodzki. Von Kinder- und Jugendärzten werde dabei viel Idealismus und Engagement gefordert, was leider finanziell nicht angemessen honoriert werde. Eine extrabudgetäre Vergütung für die Diagnostik und Betreuung von Patienten mit ADHS habe daher hohe Priorität, betonte Skrodzki.

Weitere Informationen gibt es unter: www.ag-adhs.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »

Rettungsgasse blockieren kostet 320 Euro

Länderkammer verschärft die Bußgeldhöhe, wenn Rettungsgassen nicht beachtet werden. mehr »

Palliativmedizin erfordert Zusatzqualifikation

Die Debatte um die Verpflichtung von Hausärzten zur Zusatzausbildung in Palliativmedizin schlägt hohe Wellen. In der KBV-Vertreterversammlung am Freitag wurde KBV-Vize Hofmeister nun grundsätzlich. mehr »