Ärzte Zeitung, 10.07.2006

Falsch angeschnallt - die meisten Kinder sterben im Auto

Studie an TU Berlin mit Crashtest-Dummys / Abdominalsensor erfaßt Belastungen im Bauchraum von Kleinkindern

Von Angela Mißlbeck

Gut die Hälfte der Kinder, die bei Verkehrsunfällen getötet werden, stirbt nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Auto. Doch die Sicherheit von Kindern im Auto könnte deutlich erhöht werden, wenn gute Kindersitze richtig benutzt würden. Darauf haben jetzt Forscher der Technischen Universität (TU) Berlin hingewiesen.

Mit solchen Dummys haben die Berliner Forscher 100 Unfälle mit Kindern nachgestellt. Foto: ami

"Für die Sicherheit des Kindes im Auto sind zwei Faktoren maßgeblich: ein ausgereifter Kindersitz und richtiges Befestigen", sagte Projektingenieur Sebastian Weber bei der Vorstellung von Ergebnissen des vierjährigen europäischen Forschungsprojektes CHILD für höhere Kindersicherheit im Auto.

Die schwersten Verletzungen stellten die Forscher bei falsch angeschnallten Kindern oder falsch befestigten Kindersitzen fest. "Unsere Tests haben bestätigt, daß zwei von drei Kindern falsch angeschnallt sind", sagt der Projektingenieur. Am sichersten sitze das Kind hinten in der Mitte.

In Crashtests haben die CHILD-Forscher mehr als 100 reale Unfälle mit Kindern nachgestellt. Ein Ergebnis der Untersuchungen an der TU ist ein neu entwickelter Baby-Dummy, der die Belastungsgrenzen von Babys berücksichtigt. Zudem hat der Dummy für drei- und sechsjährige Kinder zusätzlich einen Abdominalsensor zur Erfassung von Belastungen im Bauchraum erhalten. Bislang konnten Belastungen nur an Kopf und Brust gemessen werden.

Die Dummys bieten sich für schärfere Sicherheitstests von Kindersitzen an. Denn, so Weber: "Bei Standardprüfungen werden oft nicht die richtigen Tests vorgenommen." Zulassungstests für Kindersitze gäben nur ein Minimum vor, und die etwas besseren Verbrauchertests reichten an manchen Stellen auch nicht aus, so der Projektingenieur. Gut wären Kindersitze, die auf das jeweilige Auto abgestimmt seien, doch nicht jeder Autohersteller biete diese teurere Variante an.

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