Ärzte Zeitung online, 31.07.2009

Jennifer war wohl nie beim Arzt

PRENZLAU(dpa). Die von ihren Eltern jahrelang versteckte, behinderte Jennifer aus der Uckermark in Brandenburg ist nach Erkenntnissen des Kreises nie bei einem Arzt gewesen. Das sagte Sprecherin Ramona Fischer am Freitag. Die 13-Jährige war nach einem anonymen Hinweis Mitte Juli aus der Familie geholt worden. Sie trug noch Windeln und zeigte autistisches Verhalten.

Die Staatsanwaltschaft, die gegen die Eltern ermittelt, sprach von Verwahrlosung. Laut Staatlichem Schulamt war Jennifer beim Einwohnermeldeamt gemeldet. Wie es dazu kommen konnte, dass sie nie zur Schule ging, werde derzeit geklärt.

"Nach unseren Erkenntnissen hat die Meldebehörde die Liste an die zuständige Schule weitergeleitet", sagte der stellvertretende Schulamtsleiter Frank Habelt der dpa. Ob die Eltern Jennifer damals bei der Schule angemeldet haben und wie die Schule mit dem Fall umging, werde untersucht. Die Schulleiterin sei aber im Urlaub. "Das Schulamt selbst war nie mit dem Fall befasst." Die Familie war vor neun Jahren aus dem Raum Berlin in den Uckerland-Ortsteil Lübbenow gezogen.

Der Linken-Landtagsabgeordnete Torsten Krause kritisierte in einer Mitteilung, dass Kinderschutz in Brandenburg nur in der Theorie funktioniere. Der Landkreis spricht im Fall Jennifer von "individuellem Versagen" im Jugendamt.

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