Ärzte Zeitung, 07.05.2004

Embryonen nach HLA-Merkmalen ausgewählt

Eltern wünschten sich Kinder als Stammzell-Spender für deren krebskranke Geschwister / 200 Embryonen untersucht

CHICAGO (ple). In den USA sind fünf Kinder zur Welt gekommen, die nach einer In-vitro-Fertilisation noch vor der Implantation in den Uterus anhand von HLA-Merkmalen ausgewählt wurden.

Die Präimplantationsdiagnostik mit anschließender Selektion wurde gemacht, um Stammzellspender für die jeweiligen krebskranken Geschwister zu bekommen.

Wie die Reproduktionsmediziner um Dr. Yury Verlinsky aus Chicago berichten, nahmen an der Studie neun Paare teil, die bereits Kinder mit akuter lymphatischer oder akuter myeloischer Leukämie oder mit einer Anämie haben (JAMA 291, 2004, 2079). Fast 200 Embryonen im Acht-Zell-Stadium wurden vor der Implantation genetisch untersucht. Die Reproduktionsmediziner analysierten die Gene für die Gewebeverträglichkeits-Antigene HLA.

45 Embryonen, die in den HLA-Merkmalen mit den jeweiligen erkrankten Geschwistern übereinstimmten, wurden ausgewählt und 28 von ihnen in den Uterus implantiert. Fünf Frauen wurden schwanger und brachten fünf gesunde Kinder zur Welt. Die Gewebeverträglichkeitsmerkmale der fünf Kinder stimmten mit denen der jeweiligen kranken Geschwister überein, wie die HLA-Typisierung der Blutzellen ergeben hat.

Nach Angaben der Wissenschaftler erhielt bisher nur ein Kind - das mit der Anämie - inzwischen eine Transfusion von hämatopoetischen Stammzellen, die von seinem nach künstlicher Befruchtung und Implantation geborenen Geschwister stammten. Das Kind braucht jetzt keine Bluttransfusion mehr.

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