Ärzte Zeitung, 13.04.2005

Inkontinenz dank Stammzellen geheilt

Innsbrucker Urologen spritzen körpereigene Zellen aus dem Oberarmmuskel in die Submukosa der Harnröhre

ISTANBUL (ner). Eine neue Methode, um Männer und Frauen mit Harninkontinenz zu behandeln, haben Innsbrucker Urologen entwickelt. Sie injizierten bisher 59 Patienten körpereigene Stammzellen aus der Oberarm-Muskulatur in die Urethra-Schleimhaut und den Rhabdosphinkter. 51 Patienten wurden geheilt.

Damit verfügen die Urologen um Professor Hannes Strasser von der Uniklinik in Innsbruck inzwischen über deutlich mehr Daten als noch vor einem halben Jahr. Die Lebensqualität der behandelten 40 Frauen und 19 Männern im Alter zwischen 36 und 84 Jahren habe sich dramatisch gebessert, sagte Strasser beim Europäischen Urologenkongreß in Istanbul.

Die Frauen hatten entweder eine Streßinkontinenz, einer hypermobile Urethra oder einer Sphinkter-Insuffizienz. Bei den Männern handelte es sich um Patienten nach Prostatektomie.

Für die Zelltherapie wird am Oberarm in Lokalanästhesie zunächst eine Muskelbiopsie entnommen. Im Labor werden daraus Myoblasten und Fibroblasten gezüchtet. Gemeinsam mit einem Kollagen-Trägermaterial injizieren Strasser und seine Mitarbeiter die Fibroblasten transurethral und Ultraschall-gestützt in die Submukosa der Harnröhre, um Atrophien der Urethralschleimhaut zu beheben.

Die Myoblasten werden in den Rhabdosphinkter gespritzt, wo sie den Schließmuskel rekonstruieren sollen. Gezieltes Sphinktertraining sowie transrektale oder transvaginale Elektrostimulationen sollen das Anwachsen der Zellen innerhalb von drei bis vier Wochen unterstützen.

Bei den behandelten Patienten nahm die Wanddicke der Urethra ebenso signifikant zu wie die Dicke des Rhabdosphinkters, dessen Kontraktilität sich signifikant steigerte. Das hatte deutliche Auswirkungen auf die Lebensqualität, gemessen anhand von Punkteskalen. Komplikationen gab es keine. 51 der 59 Patienten wurden von ihrer Inkontinenz geheilt.

Allerdings kann die Zelltherapie nicht bei allen Patienten erfolgreich angewendet werden. Bei deutlichen Vernarbungen der Harnröhre oder Strikturen, etwa nach Operationen, ist die Wirksamkeit eingeschränkt.

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