Ärzte Zeitung, 18.10.2005

Mäuseembryonen speziell zur Stammzell-Forschung geklont

Embryonen können sich nicht weiterentwickeln

CAMBRIDGE (ple). US-Forscher haben einen Weg gefunden, Stammzellen durch Klonen herzustellen, ohne daß sich der Klon zu einem Lebewesen entwickeln kann: Er ist nicht in der Lage, sich in die Gebärmutter einzunisten. Das weltweit kritisierte reproduktive Klonen von Menschen wäre mit dieser Methode nicht möglich.

Bereits im Frühjahr hatte Professor Rudolf Jaenisch aus Cambridge in Massachusetts beim Internisten-Kongreß in Wiesbaden angekündigt, daß an diesem Konzept intensiv geforscht werde.

Jetzt berichtet er mit seinem Kollegen Dr. Alexander Meissner in "Nature"-Online, daß das Verfahren zumindest bei Mäusen tatsächlich funktioniert. Für das Klonen verwendeten sie einen Zellkern, dem das Cdx2-Gen fehlt: Folge ist, daß sich der für die Einnistung des geklonten Embryos erforderliche Trophoblast nicht entwickelt.

Unbehelligt bleibt dagegen die Entwicklung embryonaler Stammzellen, denen das fehlende Gen dann problemlos eingepflanzt werden kann. Jaenisch und Meissner betonen, daß diese Methode kein Ersatz für das bisher genutzte Klonverfahren sei, sondern nur eine Variante, die zudem eine zusätzliche Manipulation des verwendeten Zellkerns erforderlich macht.

Ebenfalls in "Nature"-Online berichtet eine zweite Forschergruppe über die Herstellung embryonaler Stammzellen aus einer Embryozelle, ohne den frühen Embryo zerstören zu müssen.

Die Gruppe um Dr. Robert Lanza aus Worcester in Massachusetts verwendeten dazu jeweils eine einzige Zelle, die einem Maus-Embryo im Acht-Zell-Stadium entnommen wurde. Eine solche Zellentnahme wird auch bei der - in Deutschland nicht erlaubten - Präimplantations-Diagnostik vorgenommen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Klonforscher in der Zwickmühle

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

30 Minuten Bewegung am Tag verhindern jeden 12. Todesfall

Bewegung verlängert das Leben, das bestätigt die bisher größte Studie zum Thema. Und: Bewegung im Alltag reicht dazu schon aus, es muss kein anstrengender Sport sein. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Impfpflicht löst Masernproblem nicht

Eine Impfpflicht bei Masern würde ungeimpfte Erwachsene als Verursacher nicht erreichen und Skeptiker vor den Kopf stoßen. Ausbrüche sind nur mit mehr Engagement zu verhindern, so RKI-Präsident Prof. Lothar Wieler. mehr »