Ärzte Zeitung, 19.10.2005

KOMMENTAR

Warten auf die Gentherapie

Von Peter Leiner

Sie war ein gut und sorgfältig konzipierter neuer Therapieansatz und hat die Erwartungen erfüllt: die erste genehmigte Gentherapie vor 15 Jahren in den USA. Daß es dem behandelten Mädchen noch heute gesundheitlich blendend geht, ist allerdings nicht selbstverständlich.

Denn die Gentherapeuten mußten in den vergangenen Jahren in anderen Studien einige Rückschläge verkraften, sei es, weil sie weniger sorgfältig geplant waren, oder weil Ereignisse eingetreten sind, die nicht vorherzusehen waren.

Der Erfolg der ersten Gentherapie hat viele dazu veranlaßt zu glauben, daß diese Behandlungsmöglichkeit unkompliziert ist - es wird einfach ein defektes gegen ein intaktes Gen ausgetauscht, und schon ist der Patient geheilt. Aber Gentherapie ist viel komplizierter, etwa weil nicht immer ganz eindeutig ist, wo sich das eingeschleuste intakte Gen ins Genom einbaut.

Der Anfangserfolg der Gentherapie und die darin gesetzten Hoffnungen dürfen nicht dazu verleiten, möglichst rasch ein Gentherapeutikum entwickeln zu wollen. Ohne Zweifel wird es eines geben, wahrscheinlich gegen Krebs.

Doch das braucht Zeit - und nicht zuletzt extreme Sorgfalt wie in der ersten Gentherapiestudie vom Vater der Gentherapie, French Anderson, und seinen Kollegen in Los Angeles.

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