Ärzte Zeitung online, 01.08.2008

Koreanischer Klon-Fälscher Hwang darf nicht mit Stammzellen forschen

SEOUL (dpa). Dem einst als Fälscher entlarvten Klon-Spezialisten Hwang Woo Sook bleibt in seiner Heimat Südkorea die Rückkehr in die Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen versperrt. In Publikationen von Hwang waren Ende 2005 Ungereimtheiten aufgefallen. Es kam zum Skandal.

Wie das Gesundheitsministerium in Seoul am Freitag mitteilte, wurde ein Antrag von Hwangs Forschungsinstitut auf die Zulassung zu Forschungen mit embryonalen Stammzellen abgelehnt.

Als Gründe für die Entscheidung nannte das Ministerium Hwangs Entlassung bei der Nationaluniversität von Seoul wegen der Manipulation von Forschungsdokumenten 2005, ethische Probleme im Zusammenhang mit der Beschaffung menschlicher Eizellen für die eigene Forschung und die Anklage gegen den Tiermediziner wegen des Vorwurfs des illegalen Handels mit solchen Eizellen.

Das Ministerium folgte mit dem Schritt der Entscheidung der staatlichen Bioethik-Kommission, dem 55-jährigen Tiermediziner die vor mehr als zwei Jahren entzogene Erlaubnis zur Forschung mit menschlichen Stammzellen nicht wieder zu erteilen.

Hwangs Biotechlabor reagierte enttäuscht. Es gebe keinen Paragrafen im Bioethikgesetz, wonach die beantragten Studien nicht bewilligt werden dürften, wenn der leitende Forscher vor Gericht stehe, wurde ein Sprecher von Sooam von der Zeitung "The Korea Herald" zitiert. "Politische Erwägungen sollten ausgeschlossen werden, solange das Gericht sein Urteil nicht gefällt hat."

Hwang hatte mit zwei nachweislich gefälschten Stammzellstudien für den größten Wissenschaftsskandal der vergangenen Jahre gesorgt. Das US-Fachjournal "Science" hatte diese Studien Anfang 2006 zurückgezogen. Im gleichen Jahr wurde dem einstigen Vorzeige-Forscher die Lizenz zur Forschung an menschlichen Stammzellen entzogen. Gegen Hwang läuft zudem ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Bioethikgesetz und Vorwürfen des Betrugs sowie Veruntreuung von Forschungszuschüssen.

Hwang und sein früheres Team hatten zunächst behauptet, als weltweit erste Forscher menschliche Stammzellen aus geklonten Embryonen gewonnen zu haben. Später wurde Hwang noch für seinen Artikel über das angebliche Klonen maßgeschneiderter Stammzellen für Patienten gefeiert. Hwangs Team hatte im August 2005 auch die weltweit erste Kopie eines lebenden Hundes vorgestellt. Die Echtheit des Windhundes Snuppy als Klon wurde später bestätigt.

Hwang beschäftigt sich zurzeit vor allem mit dem Klonen von Tieren. Die kalifornische Firma BioArts hatte im Mai angekündigt, in Zusammenarbeit mit Hwang mehrere Onlineauktionen für das Klonen von Hunden durchführen zu wollen.

Lesen Sie auch:
Wie der koreanische Stammzellforscher Hwang vom Wissenschafts-Thron gestoßen wurde.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »