Ärzte Zeitung online, 10.10.2008

Forscher: Stammzelldiskussion durch Neuentdeckung nicht beendet

STUTTGART (dpa). Die Debatte über die Nutzung embryonaler Stammzellen geht aus Sicht des Tübinger Anatomieprofessors Thomas Skutella ungeachtet seiner neuen Forschungsergebnisse weiter. "Wir brauchen die embryonalen Zellen zum Vergleich", sagte Skutella am Donnerstag in Stuttgart.

Sein Forscherteam hat Zellen aus den Hoden erwachsener Männer gewonnen, die fast dieselben Eigenschaften wie embryonale Stammzellen haben. Bis zu einer medizinischen Anwendung sei es aber noch ein weiter Weg. Bis Klarheit über die Möglichkeiten dieser Zellen besteht, könnten noch Jahre vergehen, und es sei viel Geld für die weitere Forschung nötig, sagte Skutella.

Als "Quantensprung" will Skutella die neuen Erkenntnisse nicht gewertet wissen: "Das ist ein zu großes Wort. Es ist aber ein wichtiger Schritt auf dem Weg, pluripotente Zellen zu finden." Das sind Zellen, die sich zu verschiedenen Zelltypen entwickeln können - Muskel-, Haut- oder Knorpelgewebe zum Beispiel. Der Erfolg der Tübinger Forscher besteht auch darin, die Zellen über längere Zeit stabilisiert und vermehrt zu haben.

Neben jahrelanger intensiver und disziplinierter Forschungsarbeit ist Skutella zufolge eine weitere enge Zusammenarbeit verschiedener wissenschaftlicher Einrichtungen notwendig, um die Nutzbarkeit der Zellen zu analysieren. "Unsere Zellen sind noch nicht so weit geführt worden, dass Therapieansätze untersucht werden könnten."

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