Ärzte Zeitung online, 22.04.2009

Mediziner: Gen-Analysen erlauben individuelle Behandlung

WIESBADEN (dpa). Gen-Analysen von Patienten bieten nach Ansicht von Professors Detlev Ganten in naher Zukunft die Chance sehr individueller Behandlungen. Derartige Einblicke in medizinische Zusammenhänge dürften zudem eine enorme Entwicklung von Medizin-Technologien und -Industrien nach sich ziehen

Deutschland drohe jedoch, technologisch und wirtschaftlich abgehängt zu werden, sagte der Mediziner von der Charité am Mittwoch beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Wiesbaden. Ganten forderte eine gemeinsame Strategie von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft, um die Möglichkeiten der molekularen Medizin besser zu nutzen.

Die Analyse von Molekülen bietet nach seiner Ansicht einen ganz neuen Blick auf Krankheiten, nämlich aus dem Kern der Zelle heraus und nicht mehr nur wie bisher von außen auf den Kranken. Damit könne auch die Entwicklung des Lebens seit 3,5 Milliarden Jahren berücksichtigt werden, denn die trage jeder Mensch in jedem Zellkern mit sich. Als Beispiel für die Rolle genetische Dispositionen verwies er auf "gute Futterverwerter". Die seien in früheren Zeiten mit geringem Nahrungsmittelangebot im Vorteil gewesen, heutzutage aber nicht mehr.

Eine individuelle Behandlung bietet sich laut Ganten etwa beim Einsatz von Antidepressiva an. Die wirkten bei verschiedenen Patienten sehr unterschiedlich. Bei einer Kenntnis des Genoms ließen sie sich gezielter einsetzen. Die Kosten für die Sequenzierung eines Genoms seien drastisch gesunken, wie Ganten sagte. Vor einigen Jahren habe so etwas noch Millionen gekostet. Heutzutage seien es etwa 5000 Euro und in wenigen Jahren wohl weniger als 1000 Euro.

Zur volkswirtschaftlichen Bedeutung von Medizintechnik und -wirtschaft wies Ganten darauf hin, sie beschäftigte heutzutage rund 4,9 Millionen Menschen. Die als so wichtig eingeschätzt Autoindustrie bringe es nur auf 600 000 Mitarbeiter.

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