Ärzte Zeitung, 16.11.2005

Homöopathie eignet sich gut bei fieberhaften Infekten

Bei akuten Erkrankungen wird meist bei tiefen und mittleren Potenzen geblieben / Jeder Patient braucht ein individuelles Arzneimittel

KARLSRUHE (bd). Die drei wichtigsten Fragen einer homöopathischen Anamnese bei akuten Erkrankungen sind: 1. Seit wann besteht die Symptomatik? 2. Was waren die Auslöser? 3. Wodurch verringert sich die Symptomatik?

Patienten mit akuten Krankheitsbildern, etwa fieberhaften Infekten, sind in der Praxis eines Hausarztes gut homöopathisch zu behandeln, und das therapeutische Procedere ist leicht zu erlernen. Darauf wies Dr. Mirko Berger aus Hamburg bei einem Kongreß der Deutschen Homöopathie-Union (DHU) in Karlsruhe hin.

Fieberhafte Infekte zählten zu den bewährten Indikationen der Homöopathie. Entscheidend für eine erfolgreiche Therapie sei die Einbeziehung der individuellen Symptomatik. "Die Homöopathie lebt davon, daß wir jedem Patienten sein individuelles Arzneimittel aussuchen", betonte Berger.

Je nach individueller Symptomatik werden unterschiedliche Homöopathika bei gleichen Krankheitsbildern eingesetzt. Und umgekehrt wird ein bestimmtes Arzneimittel bei mehreren Diagnosen eingesetzt, etwa Belladonna bei pulsierenden, klopfenden Schmerzen bei einer Otitis, Angina oder einem Sonnenstichs.

    Das Vorgehen bei akuten Krankheiten ist leicht zu lernen.
   

Bei akuten Erkrankungen werde meist im Bereich der tiefen und mittleren Potenzen eines Wirkstoffs geblieben. Charakteristisch für ein Ansprechen der homöopathischen Behandlung kann eine anfängliche Verschlechterung des Krankheitsbildes sein.

Oft stelle sich zum Beispiel bei einem fiebernden Kind erst eine Besserung des Allgemeinzustandes ein, ehe sich die "objektive Besserung" durch Temperaturrückgang zeige (Heringsche Regel).

Verändere sich die Symptomatik, stellten sich also nach dem Fieber Husten und Schnupfen ein, werde das Arzneimittel gewechselt. Das gelte auch, wenn sich bei einem ausgewählten Arzneimittel nicht umgehend ein Erfolg einstelle. Chronisch kranke Menschen sind nach Aussage von Berger viel schwieriger homöopathisch zu behandeln und erforderten Erfahrung und das Rüstzeug der "klassischen Homöopathie". Eine klassische Anamnese koste Zeit: eine bis drei Stunden.

Hier gelte es, die erkrankte Person ganzheitlich einschließlich seiner Gemütszustände zu erfassen und gezielt mit hohen Potenzierungen zu therapieren. Man versuche gezielt, einen Impuls zu setzen, um die Selbstregulation im Körper anzustoßen.

Die Homöopathie habe dann ihre Grenzen, wenn keine Besserung oder bedrohliche lokale Komplikationen eintreten, bei Organumbau, echten Mangelzuständen und genetisch bedingten Leiden. Die Therapie könne jederzeit auf eine schulmedizinische umgestellt werden, so Berger.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

"Manche Wortwahl irritiert mich sehr"

Gesundheitsminister Spahn wird wegen des TSVG von Ärzten kritisiert. Im Interview mit der "Ärzte Zeitung" betont er: Es wird mit Falschinformationen Stimmung gemacht. mehr »

Galenus-Gala 2018 – Das sind die Gewinner

Was zeichnet innovative Arzneimittelforschung aus? Vier Medikamente und eine Forschergruppe erhalten den Galenus-von-Pergamon-Preis 2018. Für beispielhaftes soziales Engagement wurde zudem der CharityAward verliehen. mehr »

Stammzelltherapie stoppt aggressive MS

Je früher, desto wirksamer – auch bei der autologen Stammzelltransplantation: Die Aktivität der Multiplen Sklerose lässt sich wohl komplett unterbinden, wenn die Methode als First-line-Therapie eingesetzt wird. mehr »