Ärzte Zeitung, 13.10.2006

Nachfrage nach Homöopathika wächst

Deutsche Homöopathische Union will Hausärzte verstärkt ansprechen / Neues Produktionsgebäude in Karlsruhe

KARLSRUHE (cw). Die Deutsche Homöopathie Union (DHU) rechnet mit wachsender Nachfrage nach Homöopathika und Schüßler-Salzen. Das Unternehmen will seine Produkte daher künftig bei den Kassenärzten stärker bewerben. In Karlsruhe stellte die DHU Anfang Oktober ein neues, 25 Millionen Euro teures Produktionsgebäude der Öffentlichkeit vor.

Stellen wachsendes Interesse der Ärzte an ihren Produkten fest: DHU-Geschäftsführer Franz Stempfle (links) und Patrick Krauth. Fotos (2): DHU

Der Neubau bedeute ein "klares Bekenntnis zum Standort und zur Sicherung der fast 500 Arbeitsplätze" bei Deutschlands größtem Hersteller homöopathischer Präparate, hieß es anläßlich der Einweihungsfeierlichkeiten. DHU-Geschäftsführer Patrick Krauth begründete die Großinvestition nicht nur mit dem zunehmenden Absatz von DHU-Produkten, sondern auch mit den stetig wachsenden gesetzlichen Anforderungen an die Qualität in der Pharma-Produktion.

Das neue Produktionsgebäude umfaßt 4600 Quadratmeter reine Herstellungsfläche. Hier werden Tabletten, Globuli und Liquida sowie Sonderaufträge gefertigt. Die durch den Neubau frei werdenden Flächen in älteren Gebäudetrakten sollen jetzt ausschließlich der Verpackung dienen.

Auch die Herstellung von Homöopathika (im Bild: Tablettierung) wird immer mehr vom Gesetzgeber reguliert.

Globuli, Tabletten und Liquida aus 1400 Ausgangsstoffen

Nach Krauths Angaben produziert die DHU jährlich zwischen zehn und elf Millionen homöopathische Einzelmittel. Grundlage dafür sind rund 1400 pflanzliche, tierische oder mineralische Ausgangsstoffe. Ein Teil der Produktion geht in den Export. Besonders gut, so Krauth, liefen die Ausfuhren in einige osteuropäische und asiatische Länder. In Deutschland entwickele sich derzeit die Nachfrage nach Schüßler-Salzen ausgesprochen gut.

Zielgruppen der DHU seien Ärzte, Heilpraktiker, Apotheker und Tierärzte sowie die Verbraucher. In den kommenden Jahren will die DHU auch die Vertragsärzte stärker ansprechen und zur Empfehlung von Homöopathika motivieren. Das kündigte DHU-Geschäftsführer Franz Stempfle an. Es gebe ein deutliches Interesse der Ärzteschaft an der Homöopathie, so Stempfle.

Dies korrespondiere mit den Wünschen vieler Patienten. Allerdings hätten die wenigsten Vertragsärzte genug Zeit für die aufwendige Anamnese des klassischen Homöopathen. Das ist aber nach den Worten des DHU-Geschäftsführers auch nicht immer nötig: Vielmehr gebe es rund 150 Standardindikationen, die sich mit 40 bis 50 bewährten Einzelmitteln - zum Beispiel die Mittel Belladonna, Arnica, Nux vomica oder Chamomilla - gut behandeln ließen.

DHU will der reinen Lehre verpflichtet bleiben

Mit einer solchen, wie Stempfle sie nennt, "praktischen Homöopathie" seien zwar gewisse Abstriche von der klassischen Homöopathie verbunden. "Wirksamkeitserlebnisse und Kundenbindung" blieben jedoch keineswegs aus.

Der reinen homöopathischen Lehre bleibe das Unternehmen dennoch insoweit verpflichtet, als die DHU auch weiterhin das gesamte Spektrum der homöopathischen Stoffe anbieten und zudem auch Einzelanfertigungen machen werde, versicherte Stempfle.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »

Demenz oder Depressionen?

Benennen ältere Patienten von sich aus kognitive Defizite, sollten Ärzte hellhörig werden: Häufig liegt dann keine Demenz, sondern eine Depression vor. mehr »