Seltene Blutanomalie bei Claudia Pechstein nachgewiesen

BERLIN (pe). Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) führt die auffälligen Blutwerte der deutschen Eisschnellläuferin Claudia Pechstein zu 99,99 Prozent auf eine blande hereditäre Sphärozytose mit beschleunigtem Erythrozytenabbau zurück.

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Gutachten in dem Verfahren von Pechstein hätten bereits Hinweise darauf enthalten, dass es auch medizinische Ursachen für die Blutveränderungen geben könnte, doch diese seien von der internationalen Eislaufunion ISU und dem internationalen Sportgerichtshof CAS nicht ausreichend gewürdigt worden, kritisierte der DGHO-Vorsitzende Professor Gerhard Ehninger aus Dresden. Daher analysierte Professor Winfried Gassmann aus Siegen die Blutwerte, die Pechstein im Dezember veröffentlicht hatte.

Hierbei zeigten sich mehrere Veränderungen, die für eine hereditäre Sphärozytose (HS) sprechen. Bei dieser Anomalie sind die Erythrozyten aufgrund eines Defekts in der Membran - bei unverändertem Hämoglobingehalt - kleiner sowie kugelförmig verändert und werden schneller abgebaut. Die Folge ist ein Anstieg der Retikulozytenzahl, der wesentlich für Pechsteins Sperre war.

Bei der Sportlerin treffen Standard-Kriterien für die blande HS wie ein erhöhter Hämoglobingehalt pro 100 ml Erythrozyten (MCHC) zu. Zudem kam es bei ihr zu einem stetigen Abfall der Hämoglobin-Werte, die durch Blutdoping eigentlich erhöht werden sollen.

Zudem hat Dr. Andreas Weimann aus Berlin Blutproben von Pechstein und ihren Angehörigen Ende 2009 mit zwei neuen Methoden auf HS untersucht. Sowohl bei der Eisschnellläuferin als auch bei ihrem Vater lag das Verhältnis von Mikrozyten zu hämoglobinarmen Erythrozyten (HS-Screening-Index) und von Retikulozyten zu unreifen Retikulozyten (Ret-Ratio) über der Grenze, die für eine angeborene Sphärozytose spricht.

Ehninger kennt keine Substanz, die sich zum Doping eignen und zu den Blutwerten von Pechstein passen würde. Er will mit der Stellungnahme dazu beitragen, den indirekten Nachweis von Doping zu schärfen und die Sportgerichtsbarkeit zu professionalisieren: "Für mich ist das CAS-Urteil Käse."

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