Ärzte Zeitung online, 15.11.2016

Neuer Organspendeskandal?

Ermittlungen im Uniklinikum Hamburg

Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt im Klinikum Eppendorf. Der Vorwurf: Aktenunterdrückung. Bahnt sich ein neuer Transplantationsskandal an?

Ermittlungen im Uniklinikum Hamburg

Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Uniklinikum Eppendorf.

© Dan Race / fotolia.com

HAMBURG. Im Zusammenhang mit Lungentransplantationen ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft im Universitätsklinikum Eppendorf. Einen entsprechenden Bericht des NDR-Magazins "Panorama 3" bestätigte das UKE am Montag.

Laut NDR-Recherchen geht es um Aktenunterdrückung. Die Ermittlungen erstreckten sich auch auf die LungenClinic Großhansdorf, mit der das UKE zusammenarbeitet. Das UKE teilte mit, man sei von der Staatsanwaltschaft am Montag "schriftlich über das laufende Ermittlungsverfahren informiert und um Weitergabe einzelner Informationen gebeten worden". Die Staatsanwaltschaft wollte sich zunächst nicht äußern.

Am 13. Oktober hatte die Prüfungs- und Überwachungskommission von GKV-Spitzenverband, Krankenhausgesellschaft und Bundesärztekammer einen Bericht zu Lungentransplantationen im UKE und der LungenClinic vorgelegt. "Im Ergebnis sind die Kommissionen im Prüfungszeitraum der Jahre 2010 bis 2012 in 14 von insgesamt 25 überprüften Fällen auf Unregelmäßigkeiten gestoßen", hieß es darin.

Patientendaten nicht nachvollziehbar

Die Kommission kritisierte nicht nachvollziehbare und nicht ausreichend belegbare Daten der betroffenen Patienten. Ein Teil der notwendigen Unterlagen sei weder auf Papier noch elektronisch vorhanden gewesen.

Die Prüftätigkeit sei in einem bisher nicht vorgekommenen Maße erschwert worden. Es gebe daher den Verdacht der "Unterdrückung und der Veränderung allokationsrelevanter Krankenunterlagen", also – mit anderen Worten – der Einflussnahme auf Daten, die für die Zuteilung von Spenderorganen relevant sind.

Das UKE verwies am Montag auf seine Stellungnahme vom 13. Oktober. Darin heißt es: "Das UKE in Kooperation mit der LungenClinic Großhansdorf erkennt berechtigte Kritikpunkte aus dem Prüfungsbericht an, betont aber, dass es keinerlei Anhaltspunkte für Eingriffe in die Rangfolge von Patienten auf der Transplantationsliste gibt." (dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Neue Hoffnung auf wirksame Alzheimer-Therapie

Lässt sich der Krankheitsverlauf bei Alzheimer mittels Antikörper doch bremsen? Erstmals deutet sich ein solcher Erfolg in einer größeren Studie an. Das weckt Hoffnungen. mehr »

Was die Datenschutz-Folgenabschätzung ist

Praxen, Kliniken und MVZ, die in großem Stil Patientendaten verarbeiten, müssen laut DSGVO eine Datenschutz-Folgenabschätzung absolvieren. Medizinrechtler erläutern, wie das geht und was das überhaupt ist. mehr »

Tele-Hausarzt horcht aus der Ferne ab

Dr. Rafael Walocha betreut als Tele-Hausarzt Bewohner eines Pflegeheims per Video. Dabei kann er die Patienten sogar elektronisch auskultieren. Arzt und Patienten sind begeistert. mehr »