Ärzte Zeitung, 17.01.2017

Gewebespende

So viele Spender wie nie zuvor

Fast 2400 Menschen spendeten im vergangenen Jahr in Deutschland Gewebe – so viele wie nie zuvor, wie die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation berichtet. Mit den Spenden konnten 4000 Patienten mit Augenhornhäuten oder Herzklappen versorgt werden.

So viele Spender wie nie zuvor

Augenhornhäute haben den größten Anteil unter den transplantierten Geweben.

©DGFG

HANNOVER. Über 3000 Menschen können dank einer Hornhauttransplantation im vergangenen Jahr wieder besser sehen. Die Zahl der Gewebespender im Netzwerk der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) ist 2016 um 12,1 Prozent angestiegen. Noch nie zuvor in der Geschichte der DGFG haben so viele Menschen Gewebe gespendet, berichtet die Gesellschaft in einer Mitteilung. 2341 Menschen hätten mit einer Augenhornhautspende, mit Herzklappen oder Blutgefäßen anderen Menschen geholfen.

Insgesamt habe die DGFG im vergangenen Jahr über 4000 Patienten in ganz Deutschland zeitnah und sicher mit einem Gewebetransplantat versorgt. "Viele neue Gewebespendeprogramme, etwa in Baden-Württemberg, im Saarland und in Nordrhein-Westfalen, sind erfolgreich angelaufen", wird Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG, in der Mitteilung zitiert. Das gemeinnützige Netzwerk versorgt Patienten in ganz Deutschland mit Gewebepräparaten.

Augenhornhäute haben größten Anteil

Ärzte transplantieren jedes Jahr deutlich mehr Gewebe als Organe. Mit etwa drei Vierteln haben Augenhornhäute dabei den größten Anteil: Die Zahl der abgegebenen Hornhäute stieg 2016 um elf Prozent auf 3006 Hornhäute an.

Unter den vermittelten Hornhäuten waren 217 ultradünne, in der Gewebebank Hannover präparierte Hornhautlamellen, für DMEK-Transplantationen, berichtet die DGFG. Ärzte verwenden diese lamellären Transplantate für eine spezielle OP-Technik, bei der sie nur eine dünne Schicht der Hornhaut austauschen müssen. Die Sehfähigkeit der Patienten erholt sich schneller. Das Infektionsrisiko sinkt. Nur die Gewebebank Hannover und die Knappschafts- Gewebebank Saar in Sulzbach, beide im Netzwerk der DGFG, dürften diese Lamellen herstellen und bundesweit abgeben.

"Wir können mittlerweile bei der Hornhauttransplantation die meisten Anfragen innerhalb weniger Wochen erfüllen", so Börgel. In Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bremen und Schleswig-Holstein habe die DGFG in den vergangenen zehn Jahren Spendestrukturen aufgebaut. Heute kämen fast alle transplantierten Hornhäute von der DGFG – deutschlandweit sei es jede zweite. "Im Ergebnis sorgt das gemeinsame Engagement der Krankenhäuser und der DGFG für eine hervorragende regionale Versorgung", meint Börgel.

Gewebe, die nach dem Tod gespendet werden können, sind Augenhornhäute, Herzklappen, Blutgefäße, aber auch Knochen und Haut. Aus der Lebendspende kommt die Amnionmembran. Sie ist Teil der mütterlichen Plazenta und kann von einer Mutter nach einer Kaiserschnittgeburt gespendet werden. Die Hirntoddiagnostik spielt bei der Gewebespende keine Rolle.

Mehr als neun von zehn Gewebespenden stammen von Menschen, die eines ganz normalen Todes gestorben sind. Auch Krebserkrankungen oder ein hohes Lebensalter sind kein Ausschlussgrund. Gewebespenden sind noch bis zu drei Tage nach Todeseintritt möglich.

Weniger Herzklappen und Blutgefäße

Bei der Bearbeitung von Knochenspenden zu Knochentransplantaten arbeitet die DGFG mit der Universitätsgewebebank der Charité Berlin zusammen. Im Rahmen dieser Kooperation haben neun Menschen Knochen gespendet. Die daraus hergestellten Knochenpräparate wurden mehreren hundert Menschen transplantiert.

In Zusammenarbeit mit der Klinik für Unfallchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover hat die DGFG vier weitere Knochenspenden ermöglicht. Die Ärzte haben damit acht Patienten eine Versorgung komplexer Brüche ermöglicht.

Der Anteil der Gewebespender, die auch Organspender sind, hat auch 2016 weiter abgenommen: 206 Gewebespender im DGFG-Netzwerk und damit weniger als neun Prozent waren auch Organspender. Der Rückgang betrug knapp fünf Prozent, berichtet die DGFG. "Da Herzklappen und Blutgefäße überwiegend aus der Organspende stammen, ist auch die Anzahl dieser gespendeten Gewebe um 5,6 Prozent auf insgesamt 266 Präparate zurückgegangen", hält Börgel fest. (eb)

90%

der Gewebespenden stammen von Menschen, die eines natürlichen Todes gestorben sind.

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