Ärzte Zeitung, 12.03.2008

Golfkriegsyndrom: War es ein Mittel gegen Giftgas?

Erste Studie des Pentagon

FRANKFURT/MAIN (Smi). Mehr als 100 000 Veteranen des Golfkriegs von 1990 und 1991 leiden an chronischer Müdigkeit, Muskelschmerzen, Gedächtnis- und Schlafstörungen. Eine mögliche Ursache dieses Golfkriegsyndroms hat jetzt eine US-Wissenschaftlerin herausgefunden: ein Medikament, das die US-Soldaten gegen Nervengas schützen sollte.

Die erste vom Pentagon in Auftrag gegebene Untersuchung kommt zum Ergebnis: Acetylcholinesterase-Hemmstoffe, die in dem Medikament Pyridostigminbromid (PB) sowie in Nervengas und Pestiziden enthalten sind, haben die Golfkriegsymptome hervorgerufen (Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 10.1073/pnas.0711986105).

Pyridostigminbromid wurde während des Golfkriegs an 250 000 bis 300 000 der insgesamt 700 000 US-Soldaten ausgegeben, wie die "New York Times" berichtet. Grund war, sie vor möglichen Giftgasangriffen der Iraker zu schützen. Zudem setzte die US-Armee im Irak große Mengen Pestizide gegen Insekten ein. Schließlich waren 100 000 Soldaten nach der Explosion eines Munitionsdepots dem Nervengift Sarin ausgesetzt gewesen - auch Sarin ist ein Acetylcholinesterase-Hemmstoff.

Professor Beatrice Alexandra Golomb von der University of California hat für ihren 385 Seiten umfassenden Report mehr als 100 Studien gesichtet. In vielen Studien habe sie einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Exposition durch Acetylcholinesterase-Hemmer und den typischen Symptomen der Golfkriegsveteranen entdeckt, schreibt sie.

In ihrem Bericht wendet sie sich außerdem gegen die weit verbreitete Auffassung, dass psychischer Stress die Hauptursache des Golfkriegsyndroms sei. Schließlich habe der Bodenkrieg nur vier Tage gedauert. Nach anderen, länger anhaltenden Kriegen seien nicht so viele Soldaten an ähnlichen Symptomen erkrankt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »