Ärzte Zeitung online, 17.03.2010

Die Pille für den Mann ist eine Spritze

MÜNSTER (dpa). Seit 50 Jahren können Frauen sich mit der Einnahme von Hormonen vor ungewollten Schwangerschaften schützen. Der Erfinder der Anti-Baby-Pille, Carl Djerassi, beklagt, dass ein ähnliches Präparat für den Mann noch immer nicht auf dem Markt ist und glaubt nicht mehr an die "Pille für den Mann".

Vor drei Jahren stieg Bayer Schering aus der Forschung aus. Das heißt aber nicht, dass die Forschung dafür völlig eingeschlafen ist.

Die "Pille für den Mann" ist eigentlich eine Spritze. Und an ihr wird immer noch gearbeitet - auch ohne Unterstützung aus der Industrie. Die WHO macht derzeit eine weltweite Studie an rund 500 Paaren, die mit der "Pille für den Mann" verhüten. Die Ergebnisse werden an der Uniklinik Münster zusammengetragen. Auch dort testen derzeit mehrere Paare, ob es mit der Verhütung auch dann klappt, wenn der Mann die Hormone verpasst bekommt.

"Die Spritze ist zwar unangenehm, aber die Männer stehen das durch", sagt Dr. Michael Zitzmann, der das Projekt in Münster leitet und große Hoffnungen in die WHO-Studie setzt. Wenn die Ergebnisse entsprechend ausfallen, so hofft er, werden auch Pharma-Unternehmen wieder in die Forschung einsteigen und Behörden die Pille irgendwann auch genehmigen können. Die Hürden für eine Genehmigung seien aber sehr hoch, sagt er. "Die Anti-Baby-Pille für die Frau von damals hätten Sie unter heutigen Bedingungen gar nicht auf den Markt bringen dürfen."

Bei dem männlichen Gegenstück zur Pille wird alle acht Wochen ein Testosteron-Mittel gespritzt, das das Hormon zur Spermienproduktion unterdrückt. Und genau hier sieht der Mainzer Professor für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, Norbert Paul, einen entscheidenden Punkt: "Die Hormonforschung für den Mann ist historisch auf Virilität und Potenz ausgerichtet gewesen. Mit der "Pille für den Mann" soll aber seine Zeugungsfähigkeit eingeschränkt werden - das ist im Sinne der kulturellen Wahrnehmung des Mannes eine ganz neue Richtung."

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