Ärzte Zeitung, 23.09.2004

Dicke Kinder konsumieren wirklich zu viel Süßigkeiten und Limonade

Aktuelle Erhebung unter Erstklässlern / 40 Prozent mehr Zuckeraufnahme als Schlanke

HANNOVER (grue). Viele Kinder sind zu dick, ist eine oft zu lesende Schlagzeile. Die Zahlen zur Häufigkeit schwankten dabei je nach Publikation allerdings stark. Eine aktuelle Erhebung unter Erstklässlern und deren Familien ergab nun, daß offenbar jedes fünfte Kind in diesem Alter bereits zu dick ist.

Woher kommen die überflüssigen Pfunde? Höchstwahrscheinlich von zu viel Süßigkeiten und zu wenig Bewegung. Foto: dpa

Den Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Ernährung haben die Initiatoren des "Präventions-Erziehungs-Programms für die ganze Familie" im vergangenen Jahr bei 291 Kindern der ersten Grundschulklasse untersucht. Als Übergewicht galt ein altersbezogener Body Mass Index (BMI) oberhalb der 89. Perzentile.

Eine Adipositas bestand, wenn die 96. Perzentile überschritten wurde. Die Kalorien- und Nährstoffzufuhr wurde aus einem von den Eltern geführten 7-Tage-Ernährungsprotokoll errechnet, wie Dr. Gerda Haas vom Arteriosklerose-Präventions-Institut in München bei einer Veranstaltung in Hannover berichtet hat.

"Von den Mädchen waren nach diesen Kriterien zwölf Prozent übergewichtig und 13 Prozent adipös", so Haas. Von den Jungen hatten neun Prozent Übergewicht, und elf Prozent waren adipös. Im Vergleich zu normalgewichtigen Altersgenossen nahmen adipöse Mädchen acht Prozent mehr Kalorien zu sich, bei adipösen Jungen waren es sogar 18 Prozent. Die Kinder aßen fettreicher und hatten einen stark erhöhten Monosaccharidkonsum.

"Dicke Kinder lieben zuckerhaltige Getränke", so Haas. Das gelte besonders für übergewichtige Jungen, deren tägliche Zuckeraufnahme mehr als 40 Prozent über dem lag, was die schlanken Altersgenossen verzehrten. Ihre Vorliebe für Süßes haben sich die Kinder aber offenbar nicht im Elternhaus abgeschaut.

"Dort gab es nicht mehr Dicke als in den anderen Familien", so Haas. Wesentliche Ursache für das Übergewicht seien vielmehr die bei Kindern als trendig geltende zucker- und fettreiche Ernährung, etwa mit Softdrinks, sowie Bewegungsmangel.

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