Ärzte Zeitung, 31.08.2004

Deutliche Gewichtsabnahme durch Rimonabant

Bauchumfang verringert sich, Lipid- und glykämische Blutwerte werden besser / Studie mit 1507 Übergewichtigen

MÜNCHEN (Rö). Von einem neuen Hemmstoff des endogenen Cannabinoid-Rezeptors Typ 1 (CB1) profitieren übergewichtige Menschen zusätzlich zu einer Diät mehrfach. Nach den Ein-Jahres-Daten der Rimonabant in Obesity (RIO-Europe)-Studie nehmen die Patienten damit im Vergleich zu Placebo signifikant ab. Der Bauchumfang verringert sich. Zudem werden Lipid- und glykämische Blutwerte besser.

Die Ein-Jahres-Daten der auf zwei Jahre angelegten Studie mit Rimonabant sind beim Europäischen Kardiologie-Kongreß in München vorgestellt worden. In die kontrollierte Doppelblindstudie sind nach Angaben von Professor Luc van Gaal von der Universitätsklinik in Antwerpen in Belgien 1507 Patienten mit Adipositas oder Übergewicht und kardiovaskulären Risikofaktoren aufgenommen worden. Etwa je 600 Patienten nahmen 20 mg oder 5 mg des Wirkstoffes ein, 300 Patienten ein entsprechendes Placebo. Primärer Studienendpunkt war die Gewichtsabnahme.

Wurden die Patienten berücksichtigt, die nach einem Jahr in der Studie waren, betrugen die Gewichtsabnahmen 8,9 kg bei 20 mg, 4,8 kg bei 5 mg und 3,8 kg bei Placebo. Fast 70 Prozent der mit 20 mg Rimonabant Behandelten verloren mehr als fünf Prozent ihres Gewichtes, jedoch nur 44 Prozent mit 5 mg und 31 Prozent mit Placebo.

39 Prozent verloren mit 20 mg sogar mehr als zehn Prozent ihres Gewichtes, 15 Prozent mit fünf mg und zwölf Prozent mit Placebo. Durch den Wirkstoff nahm auch der Bauchumfang signifikant ab: bei 20 mg um 8,5 cm, bei 5 mg um 5,3 cm und mit Placebo um 4,5 cm. Die Zahl der Patienten, die noch ein metabolisches Syndrom hatten, halbierte sich.

Günstig wirkte sich die Therapie zudem auf HDL und Triglyzeride aus. Jeweils die Hälfte des Effektes war dabei unabhängig von der Gewichtsabnahme. Eine Verringerung der Insulinresistenz sei ebenfalls nachgewiesen worden, so van Gaal. Insgesamt vermindern sich damit die kardiovaskulären Risikofaktoren.

Die Verträglichkeit des neuen Wirkstoffes war gut, kardiale Symptome und Depressionen seien im Vergleich zu Placebo nicht gehäuft vorgekommen, sagte der Referent.

Wie wirkt Rimonabant? Die Substanz blockiert einen Rezeptor im endogenen Cannabinoid-System, das zentral und peripher die Energiebilanz reguliert. Bei Rauchern beeinflußt es auch das Verlangen nach Nikotin. Für die Erhaltung der Nikotinabstinenz gibt es für die Substanz Daten aus der Phase-III-Prüfung.

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