Ärzte Zeitung, 14.10.2005

Bauchumfang ist bei den meisten Frauen zu groß

In Praxen ermittelter Wert liegt im Durchschnitt bei 90cm

BERLIN (dru). Die fetten Jahre sind immer noch nicht vorbei. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Die Deutschen werden immer dicker. Darauf hat der Münchner Kardiologe Professor Sigmund Silber auf einer Veranstaltung der Initiative "Bauchumfang ist Herzenssache" in Berlin hingewiesen.

"Wir Ärzte haben versagt", so sein Urteil zur Prävention in Deutschland. Adipositas werde in Deutschland noch immer eher als kosmetisches Problem denn als kardiovaskuläres Risiko wahrgenommen. Zu unrecht, wie Silber ausführte: Der stärkste individuelle Risikofaktor für kardiale Ereignisse, so die Ergebnisse der Interheart-Studie von 2004, sei die abdominale Adipositas.

Abdominale Adipositas hat Auswirkungen auf die Insulinresistenz und damit der Entstehung von Diabetes, erhöht den Blutdruck, steigert die Gerinnung, LDL-Cholesterin und die Triglyzeride und wird als Ursache für Entzündungen und Fibrosen angesehen. Es kommt zur Herzinsuffizienz und Angiopathie.

    Über 3500 Praxen nahmen teil.
   

Silber stellte erstmalig die Ergebnisse der DETECT-Studie (Diabetes Cardiovaskular Risk Evaluation; Targets and Essential Data for Commitment and Treatment) vor. Im August 2003 wurden an einem Stichtag bundesweit in über 3500 Hausarztpraxen Daten der zufällig anwesenden Patienten erhoben. Insgesamt entstanden so 55 518 Patienten-Datensätze.

Die Patientinnen in Hausarztpraxen haben durchschnittlich bereits einen Bauchumfang von 90 Zentimetern. Ab einem Bauchumfang von 88 cm gilt das kardiovaskuläre Risiko bei Frauen als deutlich erhöht.

Männer liegen mit 100 cm nur knapp unter der oberen Grenze von 104 cm Bauchumfang. KHK-Patienten hatten im Mittel 104 cm (Frauen 96 cm), bei Hypertonikern wurden 105 cm (97 cm) ermittelt und bei Diabetikern 107 cm (100 cm) Bauchumfang.

Silber wies daraufhin, daß die Bauchumfang-Messung eine schnelle und einfache Untersuchungsmethode sei, um den wichtigsten Risikofaktor zu ermitteln. Er forderte alle Kollegen auf, von dieser Untersuchung Gebrauch zu machen und ihre Patienten über die Gefahren aufzuklären.

Die Initiative "Bauchumfang ist Herzenssache" wurde im Juni 2005 von der Deutschen Adipositas-Gesellschaft, der Deutschen Lipid-Liga und dem Unternehmen Sanofi-Aventis gegründet.

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