Ärzte Zeitung, 22.03.2006

Bauchumfang sagt mehr aus als BMI, bestätigt Megastudie

Weltweit 177 000 Patienten in Hausarztpraxen untersucht

ATLANTA (gvg). Weltweit sind 25 bis 30 Prozent aller Patienten in Hausarztpraxen übergewichtig. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern sind gering, hat eine große Studie ergeben und bestätigt: Der Bauchumfang sagt mehr über das kardiovaskuläre Risiko aus als der Body-Mass-Index (BMI).

Kein ungewöhnliches Bild mehr: Zwei übergewichtige Frauen. Foto: BilderBox

In der IDEA-Studie (International Evaluation of Abdominal Obesity) ermittelten Hausärzte in 63 Ländern bei insgesamt 177 300 Patienten BMI und Bauchumfang.

In der vom Unternehmen Sanofi-Aventis unterstützen Studie habe sich gezeigt, daß die Häufigkeit von Übergewicht, definiert als ein BMI über 25, in fast allen untersuchten Regionen der Erde ähnlich hoch sei, hat Professor John Deanfield vom University College London in Großbritannien berichtet.

Sie liege in dem allerdings nicht bevölkerungsrepräsentativen Kollektiv der Hausarztpatienten in allen untersuchten Ländern bei 25 bis 30 Prozent, sagte Deanfield auf dem ACC-Kongreß in Atlanta in den USA.

Deutliche Unterschiede gibt es dagegen bei der Häufigkeit der sehr adipösen Hausarztpatienten mit einem BMI über 30. In Südostasien sind das nur einige wenige Prozent der Hausarztpatienten, in Osteuropa und Südafrika ist es jeder dritte. Westeuropa liegt etwa in der Mitte.

Überprüft wurde in der Studie auch, inwiefern der Bauchumfang mit der Prävalenz kardiovaskulärer Erkrankungen korreliert. "Der Bauchumfang ist ein vom BMI unabhängiger Prädiktor für kardiovaskuläre Erkrankungen", lautet Deanfields Fazit aus der Studie.

Den Daten zufolge steige das Risiko, eine kardiovaskuläre Erkrankung zu haben, bei Männern je nach statistischem Modell um 21 bis 40 Prozent, wenn der Bauchumfang um 14 Zentimeter zulegt. Der entsprechende Wert für Frauen liegt bei 15 Zentimetern. Diese Korrelationen seien ausgeprägter als die zwischen BMI und kardiovaskulären Erkrankungen, und sie seien für alle verwendete Berechnungen statistisch signifikant.

Auch für Diabetes mellitus, Hypertonie und Fettstoffwechselstörungen seien entsprechende Korrelationen mit dem Bauchumfang nachweisbar, sagte Deanfield. Die genauen Zahlen hierzu wurden allerdings auf dem Kardiologie-Kongreß in Atlanta noch nicht vorgestellt.

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