Ärzte Zeitung, 09.03.2007

Adipositas fördert Arthrose in allen Gelenken

Fettgewebe wird als endokrines Organ betrachtet / Chondrozyten besitzen Mechanorezeptoren

WIESBADEN (hub). Specken Patienten mit Arthrose ab, nützt das nicht nur den Knien, sondern allen Gelenken. Der Grund: Nehmen die Patienten ab, wird auch das Fettgewebe geringer und es werden weniger Entzündungsmediatoren gebildet. In aktuellen Studien wird Arthrose zunehmend als Folge einer Störung des Fettstoffwechsels diskutiert.

Unter dem Gewicht leidet nicht nur der Hocker, sondern auch die eigenen Gelenke - und das am ganzen Körper. Foto: BilderBox

In Studien wurde beobachtet, dass sich bei Patienten mit Arthrose die Erkrankung bessert, wenn sie abnehmen. Dabei wirkte sich das Abspecken positiv nicht nur auf arthrotisch veränderte Kniegelenke, sondern auch auf arthrotisch veränderte Fingergelenke aus. Der Effekt beruhe also weniger auf dem Verlust von Körpergewicht, sondern vielmehr auf dem Verlust von Körperfett, sagte Privatdozent Stefan Rehart beim Rheuma Update in Wiesbaden.

Forscher erklären die Beobachtung, dass Adipöse auch in Gelenken ohne mechanische Belastung häufiger eine Arthrose haben als Normalgewichtige, wie folgt: Das Fettgewebe sei eine Art endokrines Organ, das viele Zytokine wie Interleukin-1 und TNFα sowie Adipokine wie Adiponektin, Leptin und Resistin bildet. "Hohe Leptinspiegel im Gelenk führen zur Degeneration der Matrix", so Rehart. Daher sei bei Arthrose eine Störung des Fettstoffwechsels anzunehmen.

Hinzu komme eine schlechtere subchondrale Gefäßversorgung. Das kann zu einer Mangelernährung des Knorpels oder zu direkten ischämischen Effekten auf den Knochen führen. Abzunehmen und Fettgewebe zu verringern wirke daher positiv auf alle Gelenke, so der Orthopäde vom Markus-Krankenhaus in Frankfurt am Main.

Rehart weiter: "Chondrozyten besitzen Mechanorezeptoren und Ionenkanäle, die über Scherkräfte aktiviert werden." Wenn durch dauernde Belastung des Gelenkknorpels im Knie bei adipösen Patienten die Rezeptoren der Chondrozyten aktiviert werden, bilden die Knorpelzellen Zytokine, Wachstumsfaktoren und Entzündungsmediatoren wie Prostaglandine und Stickoxid (NO). Diese Prozesse können die Matrixsynthese im Gelenk hemmen und zur Knorpeldegeneration führen.

STICHWORT

Adipokine (Adipozytokine)

Die Adipokine Adiponektin, Leptin und Resistin kommen in der Synovialflüssigkeit vor - bei Rheumatoider Arthritis (RA) und bei Arthrose.

Leptin kann Chondrozyten schädigen, da es über Interferon-γ toxisches Stickoxid (NO) bildet. Auch Osteophyten-Bildung und Knochendestruktion scheinen mit Leptin assoziiert zu sein.

Adiponektin gehört zur TNF-Superfamilie und wirkt auf artikuläre Fibroblasten. Es stimuliert proinflammatorische und matrixdegenerierende Faktoren wie Interleukin-6 (IL-6) und Kollagenase-1.

Resistin kann IL-6 und TNFα hoch regulieren. Es wird auch direkt im Synovium synthetisiert und ist mit CRP und BSG assoziiert. (eb)

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