Diabetes

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Ärzte Zeitung, 16.10.2007

Magenband-Op verändert Spiegel von Darmhormonen

Nach der Op sind oft keine Antidiabetika mehr nötig

CHICAGO (grue). Acht von zehn Typ-2-Diabetikern brauchen nach einer Adipositas-Op durch Magen-Bypass keine blutzuckersenkenden Medikamente mehr. Vermutlich verändert der starke Gewichtsverlust die Konzentration von Darmhormonen, die die Nahrungsaufnahme und die Insulinsekretion regulieren.

Vor allem die Konzentrationen der Darmhormone Peptid YY (PYY) und Glucagon-ähnliches Peptid 1 (GLP-1) ändern sich, hat Professor Guntram Schernthaner aus Wien bei einer Diabetes-Tagung in Chicago berichtet. Beide Hormone werden von den gleichen endokrinen Darmzellen zeitgleich mit der Nahrungsaufnahme sezerniert. PYY verlangsamt die Magenentleerung und stoppt die Entstehung von Magensäure und von Verdauungsenzymen. GLP-1 ist ein insulinotropes Hormon, das wie PYY ein Sättigungsgefühl hervorruft. Wie Schernthaner berichtete, scheinen niedrige PYY- und GLP-1-Spiegel die Entstehung von Übergewicht und Typ-2-Diabetes zu begünstigen. Folglich müsste nach erfolgreicher Gewichtsabnahme die Hormonkonzentration fallen.

Nach Daten einer österreichischen Studie sind die Zusammenhänge aber komplizierter. Forscher haben bei 30 stark übergewichtigen Männern und Frauen mit einem BMI von fast 46 vor und zwei Jahre nach einem Magen-Bypass die Hormonspiegel gemessen und das kardiovaskuläre Risikoprofil bestimmt.

Die Teilnehmer nahmen nach der Op im Mittel 34 kg ab und hatten dann wie erwartet deutlich bessere Glukose- und Cholesterinwerte und einen niedrigeren Blutdruck. "Die Nüchtern-Konzentration der Darmhormone ist dagegen schwierig zu interpretieren", so Schernthaner. "Denn die PYY-Spiegel sind signifikant gestiegen, und die GLP-1-Spiegel sind gefallen."

Vermutlich werden die beiden Hormone unabhängig voneinander freigesetzt, wobei die Sekretion von GLP-1 offenbar von dem auch peripher wirksamen Hormon Leptin beeinflusst wird. Außerdem müsse noch geklärt werden, wie das Zusammenspiel der Hormone postprandial funktioniert. Es bleibe vorerst unklar, ob ein gestörtes Gleichgewicht der Darmhormone die Ursache von Adipositas und Diabetes ist oder erst als Folge davon eintritt.

STICHWORT

Magen-Bypass

Bei der Magen-Bypass-Operation wird eine funktionelle Verkürzung des Dünndarms vorgenommen. Das Jejunum wird etwa 70 cm bis 200 cm hinter dem Übergang zum Duodenum abgetrennt und mit einem künstlich geschaffenen Magen-Pouch in der Nähe des Ösophagus anastomosiert. (eb)

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