Ärzte Zeitung, 17.01.2008

KOMMENTAR

Krebsgefahr durch Übergewicht?

Von Angela Speth

Nicht rauchen. Wenig Alkohol und fettes Fleisch. Viel Obst, Gemüse und Vollkorn. Weg von Asbest und radioaktiven Strahlen. Raus aus der Sonne. Infektionen mit HPV und Helicobacter pylori vermeiden. Viel Bewegung. So müssten, meist gut belegt, die Ratschläge lauten, wie man Krebs vorbeugt. Und jetzt kann man hinzufügen: keine Speckpolster!

Die Million Women Study hat einen weiteren Hinweis geliefert, dass Übergewicht ein unabhängiger Risikofaktor für Krebs ist. Sie ist die größte Studie, die jemals zur Gesundheit von Frauen gemacht wurde: Jede vierte Frau jenseits der Menopause in Großbritannien hat sich daran beteiligt. Die Studie ist nicht nur prospektiv, sondern erstmals wurden auch Krebs-Inzidenz und -Sterberate in derselben Kohorte ermittelt. All das verleiht den Daten Gewicht.

Noch etwas hat die Studie bekräftigt: Ein Wendepunkt bei BMI und Krebsrisiko ist die Menopause. Das gilt für hormonabhängige Tumoren wie Brustkrebs, aber auch für Krebsformen, die man weniger mit Hormonen verbindet. Bemerkenswert ist, dass das Tumorrisiko nach der Menopause viel stärker mit dem BMI steigt als davor. Als Grund vermuten die Forscherinnen, dass dicke Frauen im Vergleich zu schlanken mehr Sexualhormone haben. Und da in der Studie 80 Prozent aller Karzinome nach der Menopause auftraten, ließe sich die Empfehlung zur Prävention etwas abwandeln: kein Speckgürtel, besonders nicht im fortgeschrittenen Alter!

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