Ärzte Zeitung online, 19.08.2008
 

Studien belegen Nutzen der Adipositas-Chirurgie

Studien belegen Nutzen der Adipositas-Chirurgie.

Foto: Weiner

NEU-ISENBURG (eis). Patienten mit massivem Übergewicht können nach Adipositas-Chirurgie mit Magenband oder Magenbypass deutlich stärker abspecken als mit konservativen Verfahren wie Diäten. Zu diesem Ergebnis kommt ein HTA-Bericht (Health Technology Assessment) des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI), der jetzt im Internet veröffentlicht worden ist.

Nach dem Bericht gehen durch die Gewichtsabnahme Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes zurück. Für die operierten Patienten zeichnet sich danach in Studien in einem Beobachtungszeitraum von bis zu elf Jahren ein klarer Überlebensvorteil ab. Die chirurgischen Verfahren sind zudem kosteneffektiv.

Für den Bericht wurden 25 medizinische sowie 7 gesundheitsökonomische Studien zur Adipositas-Chirurgie ausgewertet. Die Autoren merken allerdings an, dass es bisher nur wenige valide Studien zur medizinischen und ökonomischen Beurteilung der Adipositas-Chirurgie gibt und dass langfristige Effekte bisher nur eingeschränkt beurteilt werden können.

In Deutschland ist das Wissen über Adipositas als Krankheit noch zu wenig ausgeprägt, betont der Bundesverband der Medizintechnologie (BVMed). So hat in Deutschland bereits etwa jeder 20. Erwachsene morbid Adipositas (BMI über 40), wie die Verzehrstudie II des Bundesernährungsministeriums ergeben hat. In anderen europäischen Ländern mit ähnlichen Problemen sei die Adipositas-Chirurgie bereits etabliert.

In Deutschland sieht der BVMed eine Unterversorgung. So liege die Häufigkeit der Eingriffe in Frankreich bei knapp 26,9 und in Österreich bei 23,5 pro 100 000 Einwohner, im Vergleich zu Deutschland mit knapp 3,6 Eingriffen. Hauptgrund für die geringe Zahl der Operationen ist die bisher restriktive Kostenerstattung der Krankenkassen.

Lesen Sie dazu auch:
Operationen helfen Adipositas-Kranken, in Deutschland fehlen aber Spezialkliniken

Mehr zum Thema:
https://gripsdb.dimdi.de/

Stichwort Adipositas-Chirurgie

In der operativen Behandlung bei Adipositas geht es darum, die Nahrungsaufnahme des Magens technisch zu begrenzen. Erhält der Körper weniger Nahrung, greift er seine eigenen Fettreserven an, um sich mit der notwendigen Energie zu versorgen. Das Resultat: Gewichtsverlust.

Zwei Verfahren zeigen hier große Erfolge:

  • Die Magen-Bypass-Operation beruht auf dem Prinzip der Magenverkleinerung. Der Arzt unterteilt den Magen durch eine Naht in einen kleinen Vormagen und einen ausgeschalteten Restmagen.
  • Auch das Magenband macht sich das Prinzip der Magenverkleinerung zunutze. Ein 12 Millimeter schmales Silikonband wird wie ein Gürtel um den Magen gelegt und engt ihn knapp unterhalb der Speiseröhre ein. Die Folge: Das Gehirn bekommt viel früher das Signal für Sättigung, der Betroffene ist wesentlich schneller und länger satt. Das Magenband ist verstellbar, das Sättigungsgefühl kann daher vom Arzt an die individuellen Situationen und Bedürfnisse der Patienten angepasst werden.

Diese Methode ist nach internationalen Leitlinien morbid adipösen Patienten vorbehalten, die folgende Kritierien erfüllen: BMI über 40 oder über 35 und erhebliche Ko-Morbiditäten; Alter zwischen 18 und 60 Jahre; mindestens sechsmonatige medizinisch geleitete konservative Therapie.

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