Ärzte Zeitung online, 11.09.2009

Dicke Menschen bedrohen Versicherungssystem

PARIS (dpa). Der ungebremste Anstieg der Zahl fettleibiger Menschen bereitet nicht nur Ärzten, sondern auch der Versicherungsindustrie zunehmend Sorgen. "Eine permanente Erhöhung von Krankenversicherungsprämien kann beim Thema Fettleibigkeit nicht die Lösung sein", sagte Regine Kaiser vom Rückversicherungs-Marktführer Münchener Rück (Munich Re).

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Foto: Kokhanchikov ©www.fotolia.de

Eines Tages müssten die Versicherer so hohe Beiträge verlangen, dass sich Menschen die Krankenversicherung nicht mehr leisten könnten, sagte Kaiser zum Ende eines Branchentreffens in dieser Woche in Monaco. Nicht nur in den USA, Deutschland und Frankreich steige die Zahl der dicken Bürger. Auch in China, Indien und in der arabischen Welt seien ähnliche Entwicklungen zu beobachten.   "Das Schlimmste ist, dass schon Kinder extrem dick werden", betonte Kaiser. Damit stiegen auch die Kosten für die Behandlung von Folgeerkrankungen. Allein in den USA verursache Fettleibigkeit jährlich 75 Milliarden Dollar (52 Milliarden Euro) zusätzliche Kosten für das Gesundheitssystem. Wenn ein Kind beispielsweise bereits mit zwölf Jahren an Diabetes Typ 2 erkranke, müssten Versicherungen oft Jahrzehnte länger als bisher für die teure Insulin-Behandlung aufkommen.

Die Versicherer halten es sogar für möglich, dass die Zunahme der Fettleibigkeit eines Tages den Trend zur Langlebigkeit stoppen kann. "Die Versicherungen müssen das Undenkbare bis zu einem Extremszenario denken und dann natürlich versuchen, diese Risiken einzuschätzen", erklärte Kaiser, die im Geschäftssegment Munich Health arbeitet. Anschließend gelte es, zu kalkulieren und Versicherungslösungen dafür zu entwickeln.

Derzeit hoffen die Experten aber noch darauf, dass es gelingt, den Trend zur Fettleibigkeit zu stoppen. "Aufklärung und Prävention, vor allem bei den Kindern und Jugendlichen, sind wichtig; zudem Bewusstsein für gesundes Essen und regelmäßige Bewegung", sagte Kaiser.

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