Ärzte Zeitung online, 06.01.2011

Übergewichtige Schwangere haben vermehrt Kinder mit Anomalien

KÖLN (ner). Bei übergewichtigen Schwangeren ist mit einer erhöhten Rate fetaler Anomalien zu rechnen. Sie sollten daher intensiver als andere Frauen diagnostisch und therapeutisch betreut werden, rät Privatdozentin Ute Germer von der Uniklinik in Regensburg.

Übergewichtige Schwangere haben vermehrt Kinder mit Anomalien

Sonografie bei einer Schwangeren: Intensive Diagnostik bei Übergewichtigen kann rechtzeitig auf Anomalien des Fötus hinweisen.

© Sven Bähren / fotolia.com

Die Expertin zitierte beim GynUpdate 2010 in Köln eine große Übersichtsarbeit und Metaanalyse, wonach bei Adipositas (Body Mass Index > 30) die Wahrscheinlichkeit für Neuralrohrdefekte und Spina bifida beim Neugeborenen im Vergleich zu normalgewichtigen Müttern um etwa das doppelte erhöht ist.

Kardiovaskuläre Anomalien, Septumdefekte, Lippen- und/oder Gaumenspalten, anorektale Atresien, Reduktionsanomalien der Extremitäten oder ein Hydrocephalus kommen ebenfalls häufiger vor.

Auch bei übergewichtigen Müttern (Body Mass Index > 25) konnten vermehrt kardiovaskuläre Fehlbildungen und Neuralrohrdefekte, darunter besonders die Anencephalie, nachgewiesen werden.

Als Ursachen für diese Assoziation werden Glukosetoleranzstörungen und niedrige Folsäurespiegel diskutiert. Außerdem, so Germer, sei die Sensitivität der Ultraschalldiagnostik für fetale Anomalien bei Adipositas geringer als bei normalgewichtigen Frauen. Dies könnte eine vergleichsweise höhere Fehlbildungsrate bei Geburt zur Folge haben, da weniger Abruptiones vorgenommen würden, vermutet die Gynäkologin.

Auch wenn die gewichtsbezogene Risikoerhöhung für angeborene Fehlbildungen in absoluten Zahlen gering sei, ergebe sich aus der großen Anzahl der betroffenen Schwangeren insgesamt eine relevante Anzahl betroffener Kinder, so Germer.

Bei vier von 1000 Geburten müsse zum Beispiel mit einem Neuralrohrdefekt oder einem schweren Vitium gerechnet werden, bei normalgewichtigen Frauen sind es drei pro 1000. Insgesamt seien etwa drei Prozent der Neugeboren von einer Fehlbildung betroffen.

Bei adipösen Schwangeren ist nach Meinung der Regensburger Ultraschallspezialistin während der Mutterschaftsvorsorge der Glukosetoleranztest unverzichtbar und die weiterführende Ultraschalldiagnostik inklusive Herzdiagnostik empfehlenswert.

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