Ärzte Zeitung online, 05.05.2011

Mit 45 Jahren adipös, mit 75 Jahren demenzkrank

STOCKHOLM (mut). Wer im mittleren Lebensalter zu viel Speck auf den Rippen hat, läuft Gefahr, im Alter an einer Demenz zu erkranken. Bei Adipösen ist das Demenzrisiko offenbar sogar um den Faktor Vier erhöht.

Mit 45 Jahren adipös, mit 75 Jahren demenzkrank

Bei Adipösen ist das Demenzrisiko offenbar um den Faktor Vier erhöht.

© dpa

Dass dicke Menschen ein erhöhtes Demenzrisiko haben, darauf deutet inzwischen eine ganze Reihe epidemiologischer Studien. Danach haben Dicke etwa ein doppelt so hohes Risiko, an Demenz zu erkranken, wie Normalgewichtige.

Nach Daten einer aktuellen schwedischen Zwillingsstudie hängt das Demenzrisiko aber auch davon ab, wie lange schon jemand übergewichtig oder adipös ist.

In der Studie werteten Forscher des Karolinska-Instituts in Stockholm ein schwedisches Zwillingsregister mit mehr als 8500 Zwillingen über 65 Jahren aus. Diese waren im Schnitt knapp 75 Jahre alt; 350 waren bereits an einer Demenz erkrankt, bei 114 wurde eine Demenz vermutet.

Für die Teilnehmer der Studie lagen BMI-Daten aus einer Lebensphase vor, als sie etwa 45 Jahre alt waren. Insgesamt waren Teilnehmer mit Demenz im mittleren Lebensalter deutlich häufiger übergewichtig und adipös als Teilnehmer ohne Demenz.

Eine kausale Beziehung vorausgesetzt, lässt sich aus diesen Daten ein 3,9-fach erhöhtes Demenzrisiko für Personen ermitteln, die in ihrer Lebensmitte adipös sind, sowie ein 1,7-fach erhöhtes Risiko für Personen mit Übergewicht im Alter zwischen 40 und 50 Jahren (Neurology 2011; 76:1568-1574).

Erhöhtes Risiko für Alzheimerdemenz und vaskuläre Demenz

Berücksichtigt wurden in der Analyse auch klassische Gefäßerkrankungen und Diabetes, sodass die Forscher davon ausgehen, dass nicht nur die üblichen kardiometabolischen Risikofaktoren die Demenzgefahr bei Übergewichtigen und Adipösen erhöhen, sondern auch andere Ursachen vorliegen müssen.

Als Kandidaten für übergewichtsspezifische Faktoren gelten inflammatorische Zytokine aus dem Fettgewebe wie etwa Leptin, das auch bei neurodegenerativen Prozessen, speziell bei Beta-Amyloidablagerungen, bedeutsam ist.

Das erhöhte Demenzrisiko ließ sich aber nicht nur bei Alzheimerdemenz, sondern auch bei vaskulärer Demenz feststellen. Und wurden diejenigen Zwillingspaare betrachtet, von denen jeweils eine demenzkrank war und der andere nicht, so waren die Unterschiede beim BMI im mittleren Alter geringer als in der Gesamtgruppe.

 Daraus schließen die Forscher, dass sowohl genetische als auch sozioökonomische Faktoren das Demenzrisiko bei Adipositas mitbestimmen.

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