Ärzte Zeitung online, 26.08.2011

UN sollen Adipositas bekämpfen

Fettleibigkeit breitet sich weltweit wie eine Epidemie aus - davor warnen Wissenschaftler schon länger. Nachdem neue Zahlen ein immer dramatischeres Bild malen, fordern Ärzte nun ein Einschreiten der Politik.

UN soll Adipositas bekämpfen

Gegen die Fettsucht - sollen die UN ankämpfen.

© photos.com

LONDON (dpa). Regierungen weltweit müssen der Ausbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit mit radikalen Schritten entgegentreten. Das fordern jetzt Wissenschaftler (Lancet 2011; 378: 741).

Die Vereinten Nationen müssten ähnlich wie im Fall des Tabakkonsums eine Rahmenkonvention zur Kontrolle von Fettleibigkeit verabschieden. Ohne die Führung von Regierungen sei die Epidemie des Übergewichts nicht mehr rückgängig zu machen, heißt es im Leitartikel des Journals.

Anstoß für die drastischen Forderungen liefern unter anderem neue Zahlen: Einer Studie der Universität im australischen Melbourne zufolge sind mittlerweile mehr als 1,5 Milliarden erwachsene Menschen auf der Welt übergewichtig (Lancet 2011; 378: 804).

Hinzu kommen 500 Millionen Fettleibige sowie 170 Millionen Kinder, die entweder übergewichtig oder fettleibig sind. Während in Japan und China beispielsweise nur eine von 20 erwachsenen Frauen fettsüchtig sei, fiele in den USA eine von dreien in diese Kategorie.

In manchen Regionen wie etwa den USA oder dem Westen Australiens habe Fettleibigkeit mittlerweile das Rauchen als größte zu verhindernde Gesundheitsgefahr überholt, heißt es in dem Artikel.

Mittlerweile seien auch Länder mit niedrigen oder mittleren Einkommen betroffen. Als fettleibig gilt, wer als Ergebnis der Body-Mass-Index-Formel "Gewicht durch Körpergröße in Metern zum Quadrat" einen Wert von mehr als 30 erreicht.

Um der Ausbreitung von Fettleibigkeit Einhalt zu gebieten, müssten Regierungen unter anderem Zusatzsteuern auf ungesundes Essen und Trinken erheben, fordern Forscher der Harvard School of Public Health im US-amerikanischen Boston (Lancet 2011; 378: 838).

Außerdem müsse ähnlich wie beim Rauchen die Werbung für ungesundes Essen kontrolliert werden, vor allem, um Kinder zu schützen, schreiben die Wissenschaftler in "The Lancet". Bei einem Treffen der Vereinten Nationen im September müsse das Thema dringend behandelt werden.

Lesen Sie dazu auch:
Steuern und Werbeverbote gegen Adipositas

[30.08.2011, 11:58:39]
Dr. Joachim Malinowski 
Krankenkassenbeiträge mit einem Faktor entsprechend dem BMI berechnen..
Das ist eine sehr schöne und vor allem einfach umzusetzende Idee. Nur zu, auf geht`s.

Genauso wie gewisse Sportarten eine Zusatzversicherung erfordern, halte ich es für äußerst sinnvoll und fair, wenn anderes risikoreiches oder gesundheitsschädliches Verhalten extra versichert werden muss.

Da lassen sich dann noch viele andere Risiken benennen, die nicht von der sogn. Allgemeinheit getragen werden sollten.

Auf der anderen Seite könnte man natürlich auch allgemein anerkannntes gesundes Verhalten seitens der Krankenkasse mit Boni honorieren.

Warum geschieht das nicht schon längst? Worauf wartet man denn?
Auf spontane Selbstheilung unserer Gesellschaft?






 zum Beitrag »
[27.08.2011, 11:39:03]
PD Dr. Andreas Lun 
Adipositas
Wenn die Krankenkassenbeiträge mit einem Faktor entsprechend dem BMI berechnet würden, dann wäre das ein starker Anreiz Gewicht zu verlieren.
Übergewichtige haben auch höhere Gesundheitsrisiken. zum Beitrag »
[26.08.2011, 19:42:25]
Dr. Rüdiger Knoche 
Adipositas
wenn weltweit Flugpreise nach BMI berechnet würden, gäbe es wohl Anreiz, Gewicht zu verlieren. Die Kontrolle auf dem Flughafen wäre mit Waage und Zentimetermaß in der Sicherheitszone relativ einfach.
Warum zahlt eine 50kg/1,65m leichte Frau denselben Preis wie ein 130 kg schwerer Nachbar?
Übergewichtiges Gepäck wird auch über Aufpreis transportiert.
Dr. R. Knoche zum Beitrag »

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