Ärzte Zeitung, 12.04.2012

Schützt Übergewicht vor Lungenkrebs?

Mit zunehmendem Body Mass Index sinkt einer aktuellen US-amerikanischen Studie zufolge das Risiko für ein Bronchialkarzinom. Dieser Effekt beschränkt sich aber offenbar auf (Ex-)Raucher.

Von Elke Oberhofer

Schützt Übergewicht vor Lungenkrebs?

Übergewichtige Raucherin - mindern Östrogene das Lungenkrebsrisiko?

© Monkey Business/Fotolia.com

ROCKVILLE. Wer im Verhältnis zu seiner Größe zu viele Pfunde auf die Waage bringt, muss vielleicht kardiovaskuläre Erkrankungen, Gelenkschmerzen und unter Umständen auch die Entstehung von Darmkrebs oder eines Schilddrüsenkarzinoms fürchten.

Die betreffende Person hat aber offenbar auch einen Vorteil: Mit zunehmendem Body Mass Index (BMI) sank in einer US-amerikanischen Studie das Risiko für Lungenkrebs.

Was die Forscher vom National Cancer Institute in Rockville im US-Bundesstaat Maryland sich nicht erklären konnten: Der Effekt beschränkte sich auf (Ex-)Raucher.

Llewellyn Smith und sein Team hatten knapp 450.000 Männer und Frauen im Alter zwischen 50 und 71 Jahren über einen Zeitraum von fast zehn Jahren beobachtet; während dieser Zeit hatten 9400 Studienteilnehmer Lungenkrebs entwickelt, darunter waren gut 400 Nichtraucher (J Natl Cancer Inst 2012; online 27. März).

Der mittlere BMI betrug bei den Männern 26,6 und bei den Frauen 25,8 kg / m2. Übergewichtig war fast die Hälfte der Männer sowie auch ein knappes Drittel der Frauen; als adipös wurde jeweils ein knappes Fünftel eingestuft.

Der inverse Zusammenhang des BMI mit dem Krebsrisiko war bei den Teilnehmern beiderlei Geschlechts signifikant, bei den Frauen war er sogar noch etwas stärker ausgeprägt.

Besonders erstaunlich: Der Effekt beschränkte sich auf Raucher; dazu zählten auch Teilnehmer, die früher "gequarzt" hatten und aktuell entwöhnt waren.

Sind es die Östrogene?

Bei den (Ex-)Rauchern war es zudem unerheblich, ob und wann sie mit dem Rauchen aufgehört hatten und wie viele Zigaretten sie am Tag konsumiert hatten. Für die Nichtraucher galt das Prinzip "je dicker, desto geringer die Lungenkrebsgefahr" dagegen nicht.

Um zu vermeiden, dass das Ergebnis durch unentdeckte Lungenkarzinome verfälscht wurde, die zu einer Gewichtsreduktion hätten führen können, hatten die Forscher in einer Subgruppenanalyse alle Teilnehmer ausgeschlossen, bei denen in den ersten sieben Jahren nach Studienbeginn ein Lungenkrebs diagnostiziert worden war.

Von den verbleibenden Teilnehmern hatten Männer mit einem BMI über 30 ein um 9 Prozent geringeres Krebsrisiko als schlankere Geschlechtsgenossen mit Werten zwischen 22,5 und 25.

Bei den Frauen verhielt es sich ähnlich, nur war das Risiko bei den korpulenteren Teilnehmerinnen sogar um 16 Prozent reduziert. Betrachtete man das histologische Staging, zeigte sich, dass der Zusammenhang bei Männern nur für Adenokarzinome galt, bei Frauen dagegen für Adeno- und Plattenepithelkarzinome.

Die Forscher spekulieren, dass die bei Adipositas vermehrt gebildeten Östrogene möglicherweise an Schutzmechanismen beteiligt sein könnten. Hierzu passt, dass im Hinblick auf das Lungenkrebsrisiko vor allem Frauen von einem hohen BMI profitierten.

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