Ärzte Zeitung, 07.04.2014
 

Harte Wahrheit

Verzicht allein hält die Taille schlank

Wer häufig Frittiertes isst, läuft Gefahr, dick zu werden. Wie dick, bestimmen offenbar zum Teil die Gene.

Verzicht allein hält die Taille schlank

Ein Zuviel an Kalorien in Form fettgetränkter Fritten schlägt sich nicht bei allen in gleich viel Hüftspeck nieder.

© radopix / fotolia.com

BOSTON. Vor allem in den westlichen Ländern steigt die Zahl der Übergewichtigen und Fettleibigen. Grund dafür ist unter anderem die Ernährungsweise mit viel Fast-Food und Frittiertem.

Doch das Zuviel an Kalorien schlägt sich nicht bei allen in gleich viel Hüftspeck nieder. Laut einer aktuellen US-amerikanischen Studie haben hier auch die Gene ein Wörtchen mitzureden (BMJ 2014; 348: g1610)

Wer viel Fast-Food isst, hat durchschnittlich mehr auf den Rippen und ist eher adipös als Menschen, die selten zu Frittiertem greifen. Daran rüttelt auch die aktuelle Studie von Qibin Qi von der Harvard School of Public Health in Boston und Kollegen nicht, im Gegenteil.

Sie lässt aber auch erkennen, dass das Maß des Übergewichtes je nach Genkonstellation individuell differieren kann. Mit anderen Worten: Wer eine genetische Prädisposition zum Übergewicht mit sich rumträgt, der wird mit der falschen Ernährungsweise noch ein paar Pfunde extra obendrauf bekommen.

Das Zusammenspiel von genetischer Prädisposition und Ernährungsgewohnheiten im Hinblick auf Body-Mass-Index (BMI) und Adipositas haben die US-amerikanischen Mediziner an knapp 37.500 Menschen überprüft: 9623 Frauen aus der Nurses´ Health-Studie, 6379 Männern aus der Health Professionals Follow-up-Studie sowie 21.421 Frauen aus der Women´s Genome Health-Studie, die als Kontroll-Kohorte dienten.

Risiko-Score zwischen 0 und 64 zugeordnet

Die genetische Prädisposition bestimmten Qi und Kollegen anhand von 32 Single-Nukleotid-Polymorphismen, deren Genloki bekanntermaßen mit dem BMI im Zusammenhang stehen. Je nachdem, wie viele Polymorphismen nachzuweisen waren, wiesen sie den Probanden einen genetischen Risiko-Score zwischen 0 und 64 zu.

Außerdem unterteilten sie die Probanden je nach Ernährungsgewohnheit in drei Gruppen: In der ersten wurde seltener als einmal die Woche Fast-Food gegessen, in der zweiten ein- bis dreimal und in der dritten mehr als viermal pro Woche.

In allen drei Kohorten bestand ein deutlicher positiver Zusammenhang zwischen konsumierter Gesamtmenge und BMI (p0,001). Die Probanden rangierten auf dem genetischen Risiko-Score zwischen 13 und 43, wobei solche mit höheren Werten auch einen höheren BMI aufwiesen.

Kein Zusammenhang bestand zwischen Risiko-Score und Fast-Food-Konsum, Gesamtkalorienaufnahme sowie anderen Lifestyle-Faktoren.

Doch nicht nur die Essgewohnheiten, auch das Genprofil hatte Einfluss auf den BMI. In den Probandengruppen bestand eine signifikante Interaktion zwischen beidem.

Bei den Teilnehmern, die in der höchsten der drei Risiko-Score-Gruppen eingestuft wurden, betrug der BMI-Unterschied zwischen denjenigen, die am meisten, und denjenigen, die am wenigsten Frittiertes aßen, 1,0 bei den Frauen und 0,7 bei den Männern; in der Gruppe mit den niedrigsten Risiko-Scores 0,7 bzw. 0,4.

Gemäß aller drei Kohorten erhöhte sich der BMI pro 10 Risiko-Allele bei viermal wöchentlich Fast-Food um 2,2, bei ein- bis dreimal wöchentlich um 1,6 und bei weniger als einmal pro Woche um 1,1. Das Adipositasrisiko in den drei Konsumgruppen wiederum stieg pro 10 Risiko-Allele eineinhalb-, zwei- oder fast dreifach.

Die Ergebnisse sprechen klar für die genetische Prädisposition

Die Ergebnisse sprechen nach Ansicht der Studienautoren klar dafür, dass die genetische Prädisposition das Ausmaß des Übergewichtes beeinflusst, das sich bei häufigem Fast-Food-Konsum einstellt.

Umgekehrt kann der genetische Einfluss auf die Entstehung der Fettleibigkeit aber auch durch Verzicht auf Fast-Food modifiziert werden.

Die Studie unterstreicht laut Qi und Kollegen vor allen Dingen, wie wichtig es für die Prävention ist, frittierte Lebensmittel vom Speiseplan zu streichen - besonders bei entsprechender genetischer Prädisposition. (dk)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Das dicke Erbe Adipositas

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »