Ärzte Zeitung, 29.05.2015

Dicke Kinder

Höheres Asthma-Risiko

Kinder mit dauernd hohem Body-Mass-Index (BMI) haben einer schwedischen Längsschnittstudie zufolge im Schulalter ein erhöhtes Asthma-Risiko. Meistens handelt es sich um ein allergisches Geschehen.

Höheres Asthma-Risiko

Bei Kindern mit permanentem Übergewicht könnte eine veränderte Hormonproduktion Asthma begünstigen.

© Klaus Rose

GÖTEBORG. Schon länger wird vermutet, dass übergewichtige Kinder häufiger Asthma entwickeln als normalgewichtige, die Studienlage hierzu ist bislang allerdings uneinheitlich.

In einer prospektiven Längsschnittstudie mit 5044 schwedischen Kindern des Geburtsjahrgangs 2003 haben Petra Loid und Kollegen von der Universität Göteborg nun erneut nach Zusammenhängen zwischen BMI und Asthma im Schulalter gesucht (Acta Paediatrica 2015; online 27. April).

Die Basis ihrer Analyse bilden Befragungen der Eltern zu Größe und Gewicht ihrer Kinder im Alter von sechs Monaten, einem, viereinhalb und acht Jahren sowie zu ärztlich diagnostizierten Asthmaerkrankungen, Nahrungsmittelallergien, allergischen Rhinitiden oder Ekzemen im Alter von acht Jahren. Ein BMI ab der 85. Perzentile galt als hoch.

Bei 74 Prozent der Kinder lag der BMI sowohl im Alter von einem als auch von acht Jahren im Normbereich. Für 11,1 Prozent errechneten Loid und Kollegen mit einem Jahr einen erhöhten BMI, der sich aber bis zum Alter von acht Jahren normalisiert hatte.

Bei 10,3 Prozent der Kinder verhielt es sich umgekehrt. Bei 4,1 Prozent der jungen Probanden wurde sowohl mit einem Jahr als auch mit acht Jahren ein hoher BMI festgestellt.

Veränderte Produktion von Adiponectin und Leptin könnte Rolle spielen

Bei 231 Kindern wurde Asthma diagnostiziert, bei 65 Prozent war die Erkrankung allergisch bedingt. In der multivariaten Analyse zeigte sich, dass bei Kindern mit durchgängig hohem BMI bis ins Schulalter hinein am häufigsten Asthma diagnostiziert wurde. Die nach Alter und Geschlecht adjustierte Odds Ratio (aOR) erreichte 2,9.

Noch deutlicher wurde der Zusammenhang zwischen einem dauerhaft hohen BMI und dem allergischen Asthma (adjustierte Odds Ratio 4,7).

Dagegen hatten Kinder mit hohem BMI ausschließlich im Alter von einem Jahr oder nur mit acht Jahren im Schulalter kein erhöhtes Asthmarisiko.

Die Häufigkeit des allergischen Asthmas, so die Autoren, lege eine Beteiligung des Immunsystems nahe. Die bei Übergewichtigen veränderte Produktion von Adiponectin und Leptin könne möglicherweise Einfluss auf die Pathogenese des allergischen Asthmas haben.

Der in einigen früheren Studien vermutete stärkere Zusammenhang zwischen Adipositas und Asthma bei Mädchen im Vergleich zu Jungen konnte in der schwedischen Kohortenstudie bei den Achtjährigen nicht bestätigt werden. (St)

[30.05.2015, 10:52:29]
Dr. Karl-Otmar Stenger 
Asthma und Zuckerkonsum
Der erhöhte Konsum von Zucker kann längerfristig zu einer Aktivierung der Fruktokinase C in der Dünndarmschleimhaut führen. Dadurch kommt es neben der Erhöhung der Harnsäure im Blut auch zu einer Steigerung der Permeabilität der Darmwand aufgrund einer minimalen Entzündungsreaktion. Somit können Allergene leichter in den Blutkreislauf gelangen und eine Immunreaktion hervorrufen.
Zum Unterschied der Geschlechter ist auf die 2009 vom Robert-Koch-Institut veröffentlichen Befunde "Bevölkerungsbezogene Verteilungswerte ausgewählter Laborparameter aus der Studie zur Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS)" hinzuweisen. Damals konnte gezeigt werden, dass nach dem 12. Lj. der Harnsäurespiegel bei Jungen deutlich ansteigt. zum Beitrag »

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