Ärzte Zeitung online, 28.06.2017
 

Alopezie

Dicke Raucher riskieren ihre Haarpracht

Doppelt ungünstig: Adipöse Raucher haben wohl ein erhöhtes Risiko für Alopezie. Ein entsprechender Zusammenhang wird aufgrund der Ergebnisse einer italienischen Studie vermutet.

Von Peter Leiner

Erhöhtes Risiko für Alopezie?

Adipös und Raucher – eine ungünstige Kombination. Das Risiko für eine Alopezie ist einer Querschnittsstudie zufolge deutlich erhöht.

© Ron S./panthermedia.net

ROM. Über Hinweise, dass es einen Zusammenhang zwischen Alopezie und Rauchen beziehungsweise Adipositas gibt, ist ja schon mehrfach berichtet worden. Allerdings sind die Daten nicht einheitlich und die Studien nicht aussagekräftig genug.

In der aktuellen Studie wurden nun die Befunde von 351 Teilnehmern mit der Diagnose "androgenetische Alopezie" im Durchschnittsalter von 35,6 Jahren ausgewertet (Int. Journal of Dermatology 2017; online 29. Mai 2017).

Mit einem Anteil von 67,5 Prozent waren die meisten von ihnen Männer. Die Teilnehmer mussten zudem in einem Gespräch Angaben unter anderem über ihr Rauchverhalten und ihre Ernährungsgewohnheiten machen.

Mehr als zehn Zigaretten pro Tag

Den Grad des Haarausfalls bestimmten die Epidemiologen und Dermatologen um Dr. Cristina Fortes vom Istituto Dermopatico dell'Immacolata anhand der Ludwig- und Norwood-Klassifikationen. Mithilfe der Trichoskopie wurde die Diagnose einer Alopezie bestätigt. Anhand der logistischen Regressionsanalyse wurde schließlich bestimmt, wie wahrscheinlich der Zusammenhang zwischen der Entwicklung einer Alopezie und einer Adipositas beziehungsweise dem Rauchverhalten ist.

Wie die Forscher berichten, war bei Studienteilnehmern mit einem BMI von mindestens 25, die zudem Raucher waren (mehr als zehn Zigaretten pro Tag), die Wahrscheinlichkeit für eine Alopezie um mehr als das Sechsfache erhöht (Odds Ratio [OR]: 6,72; 95%-Konfidenzintervall zwischen 2,57 und 17,6).

Nach einer multivariaten Berechnung, bei der mehrere Parameter wie Alter, Geschlecht, Dyslipidämie und Nahrungsergänzungsmittel berücksichtigt wurden, lag die Wahrscheinlichkeit immer noch über dem Fünffachen (OR: 5,96; 95%-Konfidenzintervall zwischen 1,65 und 21,6). Außer BMI und Rauchverhalten waren nur Alter und Geschlecht statistisch relevant.

Die Grundlagen sind ungeklärt

Auf welcher Grundlage der Zusammenhang beruht, ist bisher nicht geklärt. Diskutiert werden Entzündungsreaktionen, die bei Rauchern und bei Adipösen vermehrt beobachtet werden, auch in der follikulären Umgebung. Möglich ist auch, dass toxische Substanzen im Rauch die DNA der Haarfollikel direkt schädigen.

Die Forscher erinnern, dass Alopezie als ein Indikator für ein erhöhtes Risiko für chronische Erkrankungen diskutiert wird, vor allem für kardiovaskuläre Erkrankungen. So habe eine aktuelle Studie ergeben, dass bei unbehandelten Hypertonikern das Ausmaß der Alopezie ein Marker für Veränderungen der Herzkranzgefäße und die Rigidität der Arterien ist (J Clin Hypertens 2017; 19(1): 51–57).

Sie weisen einschränkend darauf hin, dass sie in ihrer Studie keine Biopsien der Kopfhaut vorgenommen haben, um den Zusammenhang zwischen Entzündungen und Alopezie, BMI und Rauchen zu bestätigen.

6 Mal höher

lag das Risiko für eine Alopezie bei Studienteilnehmern mit einem BMI von mindestens 25, die zudem mehr als zehn Zigaretten täglich rauchten.

Mögliche Ursachen:

» Entzündungsreaktionen, die bei Rauchern und bei Adipösen vermehrt beobachtet werden, auch in der follikulären Umgebung.

» Toxische Substanzen im Rauch, die die DNA der Haarfollikel direkt schädigen.

[28.06.2017, 10:55:19]
Michael Peuser 
Rauchen und Haarverlust
Auf Nikotin reagieren unsere 150.000 km Kapillaren zur Versorgung der 75 Billionen Zellen. Die Kapillaren verengen sich als Reaktion auf Nikotin, sodass die Zellen weniger Sauerstoff und Nährstoffe erhalten. Somit werden die Haarwurzeln auch schlechter versorgt und die Haare sterben ab. Kapillaren sind derartig fein, do dass theoretisch 400 von Ihnen parallel in ein Haar passen würden. Alle Kapillaren ergeben ein Volumen von rund drei Liter und diese stellen eines der wichtigsten "Organe" dar. Die Kapillaren sind laut meiner Lehre aus dem Jahre 2000 (siehe "Kapillaren bestimmen unser Schicksal")der Hauptentscheidungsträger unserer Gesundheit und Prof. Dr. med. Klopp, Chef des Institutes der Mikrozirkulation in Berlin/Bernau bezeichnete in seinem grossen Werk "Mikrozirkulation" aus dem Jahre 2008, diese als die Hauptstrasse der Gesundheit. Die Mikrozirkulation ist ein von der Medizin völlig vernachlässigtes Gebiet, obwohl die Mehrzahl der Krankheiten dort ihren Anfang haben. Zu diesem Thema wurde ich seit dem Jahre 2000 von Brasilien aus zu mehr als 1.300 Vorträgen in 14 verschiedene Länder Europas eingeladen.
Michael Peuser
Staatspreisträger in Brasilien
mpeuser@hotmail.com  zum Beitrag »

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