Ärzte Zeitung, 06.10.2005

Tips für eine sichere Hyposensibilisierung

Histaminreiches Essen vorher stört die Therapie / Bewährt hat sich eine Prämedikation mit Antihistaminika

DAVOS (sto). Unerwünschte systemische Wirkungen im Zusammenhang mit einer Hyposensibilisierung sind nach Ansicht von Professor Reinhart Jarisch aus dem Floridsdorfer Allergie-Zentrum in Wien fast ausschließlich auf ungünstige, individuelle Voraussetzungen der der Patienten zurückzuführen.

Ein Beispiel dafür ist der Verzehr histaminreicher Nahrung vor der spezifischen Immuntherapie (SIT). Verhindern lassen sich unerwünschte Effekte dann etwa durch Prämedikation mit Antihistaminika oder histaminfreie Diät.

Die SIT werde heute mit standardisierten Allergenen und Allergendosen gemacht. "Die einzige Variable ist der Patient", sagte Jarisch beim 21. Fortbildungskongreß "Fortschritte der Allergologie, Immunologie und Dermatologie" in Davos. So könne ein Virusinfekt zu unerwünschten Wirkungen bei der Immuntherapie führen.

Auch kämen bei Frauen am ersten Tag der Monatsblutung häufiger Probleme bei der Hyposensibilisierung vor. Außerdem könnten Medikamente, die die Diaminoxidase hemmen, etwa Acetylcystein, zu unerwünschten Wirkungen bei einer SIT führen.

Eine SIT sollte sofort abgebrochen werden, wenn unerwünschte Wirkungen auftreten, so Jarisch. Man müsse nicht den Ehrgeiz haben zu glauben, jeder Patient sei für eine Hyposensibilisierung geeignet.

Auch bei Patienten mit chronischen Kopfschmerzen oder Durchfällen sei besondere Vorsicht geboten. Möglicherweise bestehe hier eine Histaminintoleranz. Das wäre dann eine Kontraindikation für eine Immuntherapie, sagte Jarisch.

Unterschätzt werde oft der Einfluß histaminreicher Nahrung. "Die Patienten essen vorher eine Pizza, und dann gibt es hinterher eventuell Probleme", berichtete Jarisch. Er empfehle seinen Patienten daher eine histaminfreie Diät 24 Stunden vor einer SIT. Bewährt habe sich außerdem eine Prämedikation mit Antihistaminika zwei Stunden vor der Immuntherapie.

"Das ist bei uns Routine", sagte Jarisch. Das Ergebnis: Bei mehr als 100 000 Injektionen in seinem Zentrum liege die Rate unerwünschter Wirkungen bei 0,03 Prozent.

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