Ärzte Zeitung, 05.10.2006
 

Mit Tablette unter der Zunge gegen Gräserallergie

Hyposensibilisierung mit sublingualer Gräsertablette / Studie: Symptome und Begleitmedikamente wurden reduziert

WIEN (ikr). Eine sublinguale Immuntherapie (Hyposensibilisierung) bei Pollenallergikern funktioniert nicht nur mit Tropfen, die unter die Zunge geträufelt werden, sondern auch mit Tabletten. Das belegt jetzt eine Studie bei mehr als 600 Patienten, die durch Gräserpollen an Heuschnupfen erkrankt sind.

Frau mit Heuschnupfen. Eine Hyposensibilisierung kann den Körper an die Allergene gewöhnen. Foto: imago/Karo

An der Phase-III-Studie nahmen 628 Patienten teil, die seit mindestens zwei Jahren eine durch Gräserpollen bedingte Rhinokonjunktivitis hatten. Sie erhielten sechs Monate lang eine Sublingual-Tablette mit Allergenen aus häufig Allergien auslösenden Gräserpollen oder Placebo. Die Tablette wird unter die Zunge gelegt. Dort löst sie sich rasch auf, und die Inhaltsstoffe werden von der Mundschleimhaut aufgenommen.

Die Aufdosierungsphase dauerte fünf Tage. Danach nahmen die Patienten die Gräsertablette von Stallergenes in drei verschiedenen Dosierungen (100 I.R., 300 I.R. und 500 I.R. Gräserpollen-Allergene) als Erhaltungsdosis. Primärer Endpunkt war die Symptomstärke nach dem Rhinoconjunctivitis Total Symptom Score (RTSS). Der Score berücksichtigt sechs Heuschnupfen-Symptome - etwa laufende Nase, tränende Augen, Juckreiz in Nase und Augen. Zu den sekundären Endpunkten gehörte der Bedarf an Begleitmedikation.

Die Ergebnisse der Studie von Dr. Michel Melac aus Antony in Frankreich und seinen Kollegen sind beim Kongreß der European Academy of Allergology and Clinical Immunology in Wien vorgestellt worden. Demnach hatten sich mit der mittleren und hohen Dosierung der Gräsertablette die Heuschnupfen-Symptome in der Summe signifikant stärker reduziert als mit Placebo: Der mediane RTSS hatte sich mit der mittleren Allergen-Dosierung um 37 Prozent verringert im Vergleich zu Placebo. Und der mediane Verbrauch an Begleitmedikation war um 46 Prozent reduziert. Mit der hohen Dosierung wurden ähnliche Ergebnisse erzielt.

Alle Therapieformen wurden gut vertragen. Häufigste unerwünschte Wirkung war oraler Juckreiz bei 25 Prozent der Patienten mit Gräsertablette und bei fünf Prozent mit Placebo. Schwere systemische Wirkungen oder gar anaphylaktische Reaktionen wurden nicht beobachtet. Die Zulassung der Tablette ist nach Angaben des Unternehmens beim Paul-Ehrlich-Institut in Langen beantragt.

STICHWORT

SLIT

Bei der sublingualen Immuntherapie (SLIT) wird das Präparat zur Hyposensibilisierung unter die Zunge gegeben. Die gereinigten Allergene werden bislang meist als Tropfen unter die Zunge des Patienten appliziert. Das Medikament wird dann über die Schleimhäute resorbiert. Im Gegensatz dazu wird bei der klassischen Hyposensibilisierung das Mittel subkutan injiziert.

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