Ärzte Zeitung, 31.07.2007

Schneller Schutz bei Wespengift-Allergie

Neue Studie zur Rush-Hyposensibilisierung / Aufdosierung erfolgt innerhalb von nur drei Tagen

ROSTOCK (ner). Eine dreijährige spezifische Immuntherapie (SIT) schützt Patienten mit Bienen- oder Wespengift-Allergie bei einem Stich vor schweren allergischen Reaktionen. Aufdosiert wird jetzt auch häufig innerhalb von nur drei Tagen in der Klinik. Den Nutzen und die gute Verträglichkeit dieses Vorgehens bestätigt eine neue Studie.

Bei Wespengift-Allergikern besonders gefürchtet: der Stich der gemeinen Wespe (Vespula vulgaris). Foto: dpa

Die Aufdosierung bei der Rush-Hyposensibilisierung genannten Methode erfolgte in der Studie wie üblich unter stationären Bedingungen. Die 93 Patienten im Alter zwischen 21 und 72 Jahren erhielten innerhalb von drei Tagen insgesamt elf subkutane Injektionen mit ALK-Insektengift in lyophilisierter Form bis zur Erhaltungsdosis von 100 µg /ml. Die Kumulativdosis in drei Tagen betrug 316,1 µg, wie Dr. Andrea Bier und Professor J. Christian Virchow vom Universitätsklinikum Rostock berichten (Allergologie 4, 2007, 125).

Schützt bei Wespengift-Allergie: eine Immuntherapie. Foto: PD Kleine-Tebbe

Die meisten Patienten (72 Prozent) reagierten auf die rasche Abfolge der Injektionen in der Aufdosierungsphase nur mit leichten Rötungen und Schwellungen an der Injektionsstelle oder leichten Allgemeinreaktionen. Bei zwölf der 93 Patienten mussten Prednisolon oder Antihistaminika verabreicht werden, um systemische Reaktionen wie Urtikaria oder Dyspnoe zu mildern. Bier und Virchow weisen darauf hin, dass bei Bienengift-Allergikern häufiger als bei Patienten mit Wespengift-Allergie mit systemischen Reaktionen während der Immuntherapie zu rechnen ist.

Nach der Aufdosierung erfolgte die dreijährige Erhaltungstherapie mit einem Depotpräparat. Innerhalb von drei Jahren waren 29 der 93 Patienten erneut gestochen worden. Davon hatten lediglich drei eine leichte systemische allergische Allgemeinreaktion, zwei von ihnen wendeten ihre Notfallmedikamente an.

Diese Ergebnisse entsprächen denen anderer Studien, so die Rostocker Kollegen. Sie betonen die Vorteile der schnellen Hyposensibilisierung: Es könne rasch eine Schutzwirkung erreicht werden, und die Patienten schätzten den Zeitgewinn. Bei der Standard-Hyposensibilisierung erfolgt die Aufdosierung in der Regel ambulant über mehrere Wochen.

Weitere Infos zu SIT gibt es unter: www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/061-004.htm

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Keine Angst vor Wespenstichen!

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

"Manche Wortwahl irritiert mich sehr"

Gesundheitsminister Spahn wird wegen des TSVG von Ärzten kritisiert. Im Interview mit der "Ärzte Zeitung" betont er: Es wird mit Falschinformationen Stimmung gemacht. mehr »

Galenus-Gala 2018 – Das sind die Gewinner

Was zeichnet innovative Arzneimittelforschung aus? Vier Medikamente und eine Forschergruppe erhalten den Galenus-von-Pergamon-Preis 2018. Für beispielhaftes soziales Engagement wurde zudem der CharityAward verliehen. mehr »

Stammzelltherapie stoppt aggressive MS

Je früher, desto wirksamer – auch bei der autologen Stammzelltransplantation: Die Aktivität der Multiplen Sklerose lässt sich wohl komplett unterbinden, wenn die Methode als First-line-Therapie eingesetzt wird. mehr »