Ärzte Zeitung, 04.12.2009

Orale Immuntherapie lindert Erdnussallergie

Nach Desensibilisierung tolerieren Kinder klinisch relevante Erdnussdosen / Studie an der Charité

NEU-ISENBURG (ikr). Bei Kindern mit Erdnussallergie kann sich eine orale Immuntherapie mit Erdnussdosen lohnen, um das Risiko für eine Anaphylaxie zu senken. In einer Studie haben nach dieser Behandlung selbst Patienten mit starker Allergie klinisch relevante Erdnussdosen toleriert.

Nahrungsmittel wie Erdnüsse sind die häufigsten Auslöser von schweren anaphylaktischen Reaktionen bei Kindern und Jugendlichen (Kinder- und Jugendmedizin 7, 2009, 393). Forscher von der Charité Berlin untersuchen daher den Nutzen einer Desensibilisierung in Form einer oralen Immuntherapie. Die Studie ist auf 22 Teilnehmer mit Erdnussallergie angelegt. Elf von ihnen haben die Studie bereits beendet, und zwar erfolgreich (Allergo J 18, 2009, S24).

Bei der vor Studienbeginn erfolgten doppelblinden, placebokontrollierten Nahrungsmittelprovokation tolerierten die Kinder 0,015 bis 1 g Erdnüsse. Danach erhielten sie für im Median 209 Tage täglich Erdnussdosen, die alle zwei Wochen gesteigert wurden, bis 0,5 bis 2 g Erdnuss erreicht wurden.

Bei fünf Prozent der 2580 Behandlungen traten milde bis moderate Nebenwirkungen auf. Nach Erreichen der Zieldosis mussten die Kinder diese acht Wochen täglich vertragen. Im Anschluss folgte eine zweiwöchige Diätphase, nach deren Ende der zweite Provokationstest erfolgte. Hier war die maximal tolerierte Erdnussdosis auf 0,25 bis 4 g angehoben. Das erdnussspezifische IgE blieb unverändert. Das erdnussspezifische IgG und IgG4 war bei den Patienten gestiegen. Fazit: Mit der konventionellen oralen Immuntherapie werden klinisch relevante Erdnussdosen auch bei stark erdnussallergischen Patienten erreicht.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Blick ins Gehirn offenbart beste Therapie-Option

Einige Depressive sprechen besser auf Verhaltenstherapien an, andere auf Antidepressiva. Ein Blick ins Hirn per fMRT zeigt, welcher Ansatz den meisten Erfolg verspricht. mehr »

Ein steiniger Weg nach Deutschland

Ob geflohen vor Krieg oder eingewandert aus anderen Teilen der Welt: Wer als ausländischer Arzt in einer deutschen Klinik oder Praxis arbeiten will, muss Ausdauer haben – und gutes Deutsch können. mehr »

Milliarden für die Versicherten – Kassen bleiben skeptisch

Erster Aufschlag des neuen Gesundheitsministers: Jens Spahn will gesetzlich Versicherte per Gesetz entlasten. Aus Richtung Kassen weht scharfer Gegenwind. mehr »