Ärzte Zeitung, 08.03.2010

Allergische Rhinitis plus Asthma: Asthmamedikation hält beides in Schach

Allergische Rhinitis und Asthma sind verschiedene Ausprägungen derselben systemischen Erkrankung und treten deshalb häufig gemeinsam auf. In diesem Fall gibt es bei der Therapie einige Besonderheiten zu beachten.

Von Adela Žatecky

Allergische Rhinitis plus Asthma: Asthmamedikation hält beides in Schach

Die Saison der Hasel- und Erlenpollen hat bereits begonnen. Sie sind häufige Auslöser einer allergischen Rhinitis. © Fred / fotolia.com

In Deutschland leiden etwa 21 Prozent der Bevölkerung unter einer allergischen Rhinitis, stellt Professor Claus Bachert aus Krefeld in einer Zusammenfassung der aktualisierten Leitlinien der WHO-Initiative "Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma" (ARIA) fest (Allergologie (32, 2009, 306). Und bis zu 40 Prozent der Rhinitis-Patienten haben zusätzlich Asthma. Umgekehrt haben über 80 Prozent der Asthmatiker gleichzeitig Rhinitis-Symptome.

Sind sowohl untere als auch obere Atemwege von der allergischen Systemerkrankung betroffen, sollte in der Therapie eine aufeinander abgestimmte Strategie angestrebt werden, heißt es in der ARIA-Akualisierung. Generell wirkt sich nach heutiger Studienlage die Behandlung bei allergischer Rhinitis auch auf ein gleichzeitig bestehendes Asthma aus, und unter mancher Asthmatherapie bessert sich auch die Rhinitis.

Rhinitis-Arzneien wirken nur mäßig auf Asthma

Die unterschiedlichen Therapieansätze haben hier durch die Komorbidität eine andere Wertigkeit. So hat die nasale Applikation von Kortikosteroiden allenfalls eine mäßige Wirkung auf ein bestehendes Asthma. Dagegen reduziert die bronchiale Steroid-Inhalation auch die Eosinophilen-Zahl in der Nasenschleimhaut. Orale Antihistaminika reduzieren zwar Nasen- und Augensymptome bei Rhinokonjunktivitis, sind aber gegen Asthmabeschwerden allenfalls marginal effektiv und werden daher in der Asthmatherapie nicht empfohlen.

Der Leukotrien-Antagonist Montelukast hingegen verringerte in Studien bei Patienten mit saisonaler Rhinitis und Asthma die Nasen- sowie auch die Lungensymptomatik. Asthmapatienten mit gleichzeitig bestehender Rhinitis profitieren nachweislich überproportional von der Montelukast-Therapie.

Auch rekombinantes Anti-IgE (Omalizumab) besserte bei Patienten mit Asthma und allergischer Rhinitis sowohl die nasalen als auch die bronchialen Symptome, sollte aber nach derzeitigem Stand der Empfehlungen nur bei schwerem Asthma angewendet werden. Bei alleiniger allergischer Rhinitis ist Omalizumab hingegen nicht indiziert.

Für die Wirksamkeit der spezifischen Immuntherapie (SIT) bei Rhinitis und allergischem Asthma besteht heute genügend Evidenz - dadurch werden sowohl eine immunologische als auch eine klinische Toleranz induziert. Die SIT verbessert nachweislich die Lebensqualität und kann auch das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten. So werden bei monosensibilisierten Kindern mit allergischer Rhinitis durch die subkutane Immuntherapie sowohl die Entstehung neuer Sensibilisierungen als auch der Etagenwechsel zum Asthma verhindert. Auch Asthmatiker mit intermittierendem oder geringgradig persistierendem Asthma sowie Patienten mit gut kontrolliertem Asthma können von einer subkutanen Immuntherapie profitieren.

Bei schwerem Asthma ist Immuntherapie nicht ratsam

Diese sei zwar kein Ersatz für eine ausreichende antiasthmatische Therapie, sie reduziere jedoch Asthmasymptome und Medikamentenverbrauch, heißt es in der neuen S2-Leitlinie zu allergischer Rhinitis (Allergo J 18, 2009, 508). Allerdings raten die meisten Asthma-Leitlinien bei schwerem und unkontrolliertem Asthma wegen des Risikos schwerer bronchialer Reaktionen von einer SIT ab. Zunehmend wird die SIT auch als sublinguale Immuntherapie (SLIT) eingesetzt - dafür stehen sowohl Tropfenlösungen als auch Tabletten zur Verfügung.

Die Studienlage ist hier aber nicht so eindeutig positiv wie bei der subkutanen Applikation und macht eine Einzelbewertung pro Präparat notwendig, so Bachert. Und: Effekte der SLIT auf den Langzeitverlauf der allergischen Erkrankung seien nach der bisherigen Datenlage wahrscheinlich.

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