Ärzte Zeitung online, 15.03.2010

Gutes Zeugnis für die Immuntherapie gegen den allergischen Schnupfen

NEU-ISENBURG (eb). Die spezifische Immuntherapie (SIT) kann bei allergischer Rhinitis gegen saisonale Pollen helfen, Symptomatik und Medikamentenverbrauch zu vermindern. Das ist das Fazit eines jetzt vom DIMDI veröffentlichten HTA-Berichts (Health Technology Assessment), der ausgewählte SIT-Varianten betrachtet.

Allerdings: Nach Angaben des DIMDI (Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information) sehen die Autoren des Berichts für die vielen verschiedenen Behandlungsformen und die Kosteneffektivität noch enormen Forschungsbedarf.

Etwa 20 Prozent der Deutschen haben eine allergische Rhinitis (allergischer Schnupfen). Ausgelöst durch Allergene entzünden sich ihre Nasenschleimhaut und oberen Luftwege. Das beeinträchtigt die Betroffenen stark in ihrer Aktivität und Leistungsfähigkeit. Die Behandlung ist teuer: Allein im Jahr 2000 entstanden dem deutschen Gesundheitssystem dadurch schätzungsweise Kosten von 240 Millionen Euro. Die spezifische Immuntherapie gilt als einziger kausaler Therapieansatz.

Wirksam bei Gräserpollen und Baumpollen

Für den Bericht werteten die Autoren vor allem Arbeiten zur subkutanen und sublingualen Therapieform - also die Medikation als Tablette/Tropfen unter die Zunge - aus. Ziel jeder SIT ist es, eine klinische Toleranz gegen Allergene zu erreichen, heißt es in dem Bericht. Dazu verabreicht man den jeweiligen Allergenextrakt in allmählich steigenden Dosen. Je toleranter ein Patient wird, umso weniger Symptome zeigt er, umso weniger Medikamente benötigt er und umso geringer werden seine Behandlungskosten.

Die Wirksamkeit der SIT sehen die Autoren des HTA-Berichts bei Gräserpollen als belegt an und empfehlen bei entsprechender Indikation ihre Anwendung. Auch bei anderen saisonalen Allergenen wie Baumpollen können beide Therapieformen helfen. Aufgrund der mangelhaften Datenlage betrachten die Autoren hier jedoch vor allem die sublinguale Variante nur mit Zurückhaltung. Zu den Ausscheidungen von Hausstaubmilben und weiteren Allergenen finden sie in der Literatur keinen Nachweis der Wirksamkeit einer SIT.

Insgesamt sei die Wirksamkeit der spezifischen Immuntherapie mit der vorhandenen Literatur nicht für alle Therapieformen und Allergene zu beurteilen, so der Bericht. Forschungsbedarf sehen die Autoren vor allem zur Nichtgräserpollen-assoziierten SIT. Zu prüfen sei ferner, ob die Therapie bei der Vorbeugung von Asthma helfen kann. Auch für die Kostenwirksamkeit der SIT fehlten entsprechende Nachweise. Weitere, langfristig angelegte ökonomische Untersuchungen seien dazu notwendig.

Den HTA-Bericht finden sie hier

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