Ärzte Zeitung online, 18.08.2010

Erdnussallergie - eine Desensibilisierung ist möglich!

BERLIN (eb). Wissenschaftler der Charité - Universitätsmedizin Berlin haben jetzt eine Möglichkeit gefunden, Kinder mit Erdnussallergie unter strenger medizinischer Aufsicht zu desensibilisieren.

Erdnussallergie - eine Densensibilisierung ist möglich!

Für viele ein Genuss, aber für Menschen mit Erdnuss-Allergie schon in winzigen Mengen ein großes Gesundheitsrisiko: Erdnüsse (die botanisch gesehen keine Nüsse sind, sondern zu den Hülsenfrüchten gehören).

© Christian Jung / fotolia.com

In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Journal of Allergy and Clinical Immunology" (2010; 126: 83) berichtet die Forschergruppe unter der Leitung von Privatdozentin Kirsten Beyer von der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie am Campus Virchow-Klinikum über die Ergebnisse ihrer Pilotstudie. Die Projektgruppe behandelte 23 Kinder. Unter strengster medizinischer Aufsicht unterzogen sich die Drei- bis Vierzehnjährigen der oralen Immuntherapie.

Sie erhielten über einen mehrmonatigen Zeitraum kleinste Mengen Erdnuss vermischt mit anderer Nahrung. Die erste Gabe in Höhe in der Dosierung von 10 mg und jede weitere Steigerung der Dosis wurden in der Allergologischen Ambulanz der Klinik im Beisein eines Arztes verabreicht.

Wenn die Kinder nach zwei Stunden beschwerdefrei waren, konnten sie nach Hause gehen. Dort wurde die Dosis über einen Zeitraum von zwei Wochen täglich unter Aufsicht einer Person mit Ausbildung in Erster Hilfe verabreicht, um bei auftretendem Allergieschock sofort handeln zu können. Wenn die Probanden die Dosis im Ganzen gut vertrugen, wurde diese weiter gesteigert. Ziel war es, 500 mg ohne Beschwerden zu sich nehmen zu können. Das entspricht etwa einer ganzen Erdnuss.

Nach sieben Monaten erreichten 60 Prozent, also 14 der 23 Kinder, eine Toleranz gegenüber der angestrebten Dosis Erdnuss. Diese nehmen sie nun täglich zu sich. "Wenn Allergiker eine kleine Menge Erdnüsse tolerieren können, sind sie wesentlich besser vor einem allergischen Schock bei versehentlichem Genuss geschützt", so Dr. Katharina Blümchen von der Forschergruppe in einer Mitteilung der Charité.

Vier Kinder beendeten die Studie aus persönlichen Gründen nicht. Ob die Desensibilisierung bei ihnen erfolgreich gewesen wäre, ist unklar. Ein Kind sprach auf die Therapie nur teilweise an, bei vier anderen musste die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen vorzeitig beendet werden.

Nahrungsmittelallergien sind bislang nicht behandelbar

Nahrungsmittelallergien sind bislang nicht behandelbar, die Allergie-auslösenden Lebensmittel müssen strikt gemieden werden. Erdnussallergiker haben es aufgrund der Verbreitung von Erdnussspuren in verarbeiteter Nahrung besonders schwer. Die Nahrungsmittel sind oft ungenügend deklariert. So passiert es häufig, dass Allergiker diese Spuren ungewollt aufnehmen. Das kann zu schweren, sogar tödlichen Reaktionen führen.

Aufgrund der Schwere der Allergie darf die orale Immuntherapie nur unter strengster ärztlicher Kontrolle durchgeführt und niemals allein ausprobiert werden. Nur ein erfahrener Arzt kann die Dosis individuell anpassen. Zudem benötigt man Präzisionswaagen, die wenige Milligramm abwiegen können. Letztendlich beeinflusst jede Immuntherapie das Immunsystem und es kann zu schweren Symptomen kommen. Dann muss schnell und kompetent reagiert werden.

"In derzeit laufenden Studien mit größeren Patientengruppen wollen wir das Nutzen-Risiko-Verhältnis noch umfassender klären", so Blümchen. Des Weiteren soll erforscht werden, warum die Methode nicht bei allen Kindern wirkt. Ungeklärt ist gegenwärtig auch, ob die individuelle Höchstdosis ein Leben lang täglich eingenommen werden muss, um die erworbene Toleranz aufrecht zu erhalten.

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