Ärzte Zeitung, 15.11.2010

Start für Baumpollenschutz noch nicht passé

Für den Beginn der klassischen subkutanen Immuntherapie gegen Baumpollen ist es schon zu spät. Mit der sublingualen Immuntherapie lohnt aber auch jetzt und sogar noch während der Saison ein Therapieversuch.

Von Ingrid Kreutz

Start für Baumpollenschutz noch nicht passé

Heuschnupfen - Die Saison für Baumpollen (Hasel, Erle, Birke) beginnt oft schon im Dezember.

© franke / imagebroker / imago

NEU-ISENBURG. Die nächste Pollensaison mit Baumpollen (Hasel, Erle, Birke) steht möglicherweise schon kurz bevor. Sie beginnt seit einiger Zeit nicht erst im Frühjahr, sondern oft schon Mitte bis Ende Dezember.

Das hat Konsequenzen für den Beginn einer spezifischen Immuntherapie (SIT). Da eine SIT mit Allergenextrakten idealerweise drei bis vier Monate vor der Saison startet, ist somit jetzt Ende August bis September der richtige Zeitpunkt für eine Hyposensibilisierung gegen Baumpollen.

"Ist dieser Zeitpunkt verpasst, kann eine sublinguale Immuntherapie aufgrund ihrer deutlich besseren Verträglichkeit im Vergleich zur subkutanen Immuntherapie auch noch kurz vor und sogar während der Saison begonnen werden", sagte Professor Karl-Christian Bergmann vom Allergiezentrum der Berliner Charité zur "Ärzte Zeitung".

Allerdings sei dann nach der aktuellen Datenlage mit einer etwas geringeren Wirksamkeit zu rechnen.

Zeitplan für die Hyposensibilisierung

Aufgrund des seit einiger Zeit früher einsetzenden Pollenfluges von Baumpollen (Hasel, Erle, Birke) sollte die klassische spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) mit einem Vorlauf von drei bis vier Monaten bereits Ende August oder spätestens im September begonnen werden. Das empfehlen Allergologen wie Professor Karl-Christian Bergmann aus Berlin.

Und die Hyposensibilisierung mit Allergenextrakten gegen Gräserpollen sollte idealerweise im Januar starten, da die Saison üblicherweise im Mai beginnt. Mit der spezifischen Immuntherapie bei einer Allergie gegen Pollen der Beifuß-Ambrosie sollte Mitte bis Ende April begonnen werden. (ikr)

Verwendet werden sollten für die Behandlung die dafür zugelassenen Allergenextrakte, so Bergmann. Weitere Optionen sind subkutane Kurzzeittherapien und Therapien mit kurzer Aufdosierung.

Die SIT lohnt sich auch noch bei älteren Menschen über 50 Jahre. Bergmann: "Die Studienlage ist für diese Altersgruppe zwar noch dürftig, aber wir machen gute Erfahrungen mit der Behandlung bei älteren Patienten." Es gebe keinen Grund, etwa einem 70jährigem Patienten eine SIT wegen seines Alters vorzuenthalten, so der Pneumologe.

Entscheidend sei das Alter der Krankheit: Die allergische Rhinitis sollte nicht länger als fünf Jahre bestehen. Eine Hyposensibilisierung ist nach der aktuellen S2-Leitlinie auch bei Patienten mit kontrolliertem Asthma nach der GINA-Leitlinie oder leichtem Asthma (FEV1 > 70 Prozent) eine Option.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Diabetikern wird der HbA1c-Wert nicht oft genug kontrolliert

Eigentlich sollten Ärzte mindestens zweimal im Jahr den HbA1c-Wert bei Typ-2-Diabetikern bestimmen. Bei jedem vierten Patienten messen sie ihn aber nur einmal oder gar nicht. mehr »

SPD will "Ende der Zwei-Klassen-Medizin"

14:10 Nach der knappen Abstimmung pro GroKo-Verhandlung geht es nun darum, die auf dem SPD-Parteitag angesprochenen "Nachbesserungen" in den Koalitionsvertrag reinzuverhandeln. KBV und Hartmannbund reagieren skeptisch. mehr »

Beunruhigend hohe Zahlen in der Altenpflege

Altenpflegekräfte fehlen fast doppelt so oft wegen psychischer Erkrankungen wie andere Beschäftigte, heißt es im länderübergreifenden Gesundheitsbericht für Berlin und Brandenburg. mehr »