Ärzte Zeitung online, 03.01.2011

Allergietest vor dem Autokauf?

Fallbericht zeigt Kontaktallergie einer Patienten auf Kunststoff-Autositz

AACHEN (hub). Beim Autokauf gilt es, einiges zu beachten. Das ist allseits bekannt. Dass bei der Investition in ein neues Gefährt auch ein Pricktest sinnvoll sein kann, ist jedoch eine ganz neue Erkenntnis.

Allergietest vor dem Autokauf?

Allergie-Test am Rücken einer jungen Frau mit zwei allergischen Reaktionen.

© C. Wurpts / Quelle: Springer Medizin Heidelberg

Auf eine mögliche Autositz-Allergie weisen zwei Dermatologen von der RWTH Aachen in einer Kasuistik hin. Darin stellen sie eine Patientin vor, die seit drei Monaten rezidivierende, mit Juckreiz einhergehende Ekzeme an Armen und Beinen hat. Besonders nach längeren Autofahrten seien diese aufgetreten, so Dr. Gerda Wurpts und ihr Kollege Professor Hans Merk (Der Hautarzt 2010; 61: 933). Fünf Monate zuvor hatte die Patientin ein neues Auto gekauft. Bekannte Allergien oder die Einnahme von Medikamenten wurden verneint.

In dem Kunstlederbezug enthalten sind PVC, Phthalat-Weichmacher und Baumwoll-Polyester-Gewebe. Der Polsterstoff besteht aus Polyethersulfon, Polyethylenterephthalaten und Polyester, als Kaschierschaum wird Polyurethan verwendet, ergab die Anfrage beim Hersteller. Der schickte den beiden Dermatologen außerdem eine Probe des Autositzes für Testzwecke.

Es erfolgte eine Epikutantestung auf die DKG-Standardreihe, Leder- und Textilfarben, Leder und Schuhe, Phthalate sowie das Leder- und Stoffstück des Autositzes. Die Patientin zeigte eine positive Reaktion auf Epoxidharz, eine Testsubstanz aus der Standardreihe, sowie auf das Kunstlederstück des Autositzes. Mit den vorliegenden Testergebnissen erfolgte eine erneute Nachfrage bei der Herstellerfirma. Diese ergab als Bestandteil des Autositzes unter anderen Bisphenol-A-Epichlorhydrin-Harz.

Das laut Herstellerangaben in dem Autositz enthaltene Bisphenol  A und das Epichlorhydrin setzen sich zu Epoxidharz um, auf welches die Patientin in der Epikutantestung reagierte, schreiben Wurpts und Merk. Daher sei zusammenfassend die Diagnose eines Zustandes nach mehrmaligem allergischem Kontaktekzem bei Spättypallergie auf Epoxidharz gestellt worden. Epoxidharze sind als Allergene bekannt und spielen unter anderen im Baugewerbe, bei Malern und Tischlern eine große Rolle. Der Fallbericht weise auf Epoxidharz als mögliches Allergen in Autositzen hin.

Ob die Patientin ihr Auto verkauft, nur den Fahrersitz umgerüstet hat oder es reichte, mit langen Hosen zu fahren, ist in der Kasuistik nicht beschrieben. Auch zu einem Epikutantest vor dem Autokauf raten die beiden Dermatologen nicht. Autohändler müssen somit nicht fürchten, dass es demnächst heißt: "Haben sie mal eine Stoffprobe".

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So teilt sich die Arbeitszeit von Ärzten auf

Wie viel Zeit bringen Ärzte für GKV-Patienten auf, wie viel für Bürokratie? Wie sind die Unterschiede in Stadt- und Landpraxen und den Fachbereichen? Wir geben Antworten. mehr »

Sepsis – "häufigste vermeidbare Todesursache im Land"

Alle sechs bis sieben Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an einer Sepsis. Viele dieser Todesfälle wären vermeidbar. Ärzte, Patientenschützer und Politiker fordern jetzt: Die Blutvergiftung muss als Notfall akzeptiert werden. mehr »

"Hacker kommen wie durch eine offene Tür in Arzt-Systeme"

Nehmen niedergelassene Ärzte Gefahren durch Cyber-Angriffe ernst genug? Sie selbst glauben das mehrheitlich. Ein Sicherheitsexperte gießt Wasser in den Wein. mehr »