Ärzte Zeitung online, 29.07.2011

Männer und Testosteron - nicht nur schicke Muskeln

JENA (eb). Es liegt am Testosteron: Männer haben - meist - mehr Muskeln als Frauen, eine tiefere Stimme und stärkere Körperbehaarung. Und: Männer haben deutlich seltener Entzündungen und Allergien als Frauen. Auch dafür ist Testosteron mit verantwortlich, melden jetzt Forscher der Universität Jena.

Männer und Testosteron - nicht nur schicke Muskeln

Das Testosteron ist nicht nur verantwortlich für die Muskeln bei Männern, sondern soll sich auch positiv auf Immunzellen auswirken.

© Robert Kneschke / fotolia.com

"An Krankheiten wie Rheumatoider Arthritis, Psoriasis oder Asthma leiden mehrheitlich Frauen", erinnert Professor Oliver Werz von der Universität Jena in einer Mitteilung der Uni. Obwohl dies bereits seit längerem bekannt ist, waren die Ursachen dafür bisher unklar.

Wie der Jenaer Lehrstuhlinhaber für Pharmazeutische und Medizinische Chemie und sein Team jetzt in einer Studie beobachtet haben, sind die Sexualhormone hier von großer Bedeutung (FASEB Journal, online 21. Juni).

"In einer Reihe von Untersuchungen konnten wir zeigen, dass die Zellen, die für die Entstehung von Entzündungen verantwortlich sind, bei Männern und Frauen sehr unterschiedlich reagieren", erläutert Dr. Carlo Pergola vom Institut für Pharmazie der Uni Jena. So produzierten bestimmte Immunzellen von Frauen fast doppelt so viel entzündungsfördernde Substanzen wie die von Männern.

Einfluss auch auf weibliche Immunzellen

Die Jenaer Forscher sind in der nun vorgelegten Studie gemeinsam mit Kollegen aus Tübingen, Stockholm und Neapel den molekularen Ursachen für diese Unterschiede nachgegangen.

Dafür haben sie Immunzellen von männlichen und weiblichen Probanden isoliert und im Reagenzglas unter anderem die Aktivität der Enzyme getestet, die für die Produktion der entzündungsfördernden Substanzen verantwortlich sind.

Dabei stellten sie fest, dass in männlichen Zellen das Enzym Phospholipase D weitaus geringer aktiv ist als in den weiblichen. "Interessanterweise verringert sich die Enzymaktivität unter dem Einfluss von Testosteron - auch in den weiblichen Immunzellen", wird Pergola in der universitären Mitteilung zitiert.

Schlüsselrolle bei der Immunantwort

Daraus schließen die Jenaer Pharmazeuten, dass dem männlichen Sexualhormon eine Schlüsselrolle bei der Modulation der Immunantwort zukommt.

Vor allem aber, so wird Werz zitiert, sollten die neuen Erkenntnisse bei der Prüfung neuer Therapien und Arzneimittel für Entzündungserkrankungen berücksichtigt werden.

"Nach wie vor ist es in aller Regel so, dass neue Therapien ausschließlich an männlichen Probanden getestet werden." Wie die Jenaer Studie jetzt untermauert hat, lassen sich die an männlichen Probanden gewonnenen Ergebnisse aber nicht direkt auf Frauen übertragen. Im Gegenteil. Wichtig wäre eine jeweils "maßgeschneiderte" Therapie für Männer und Frauen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »

Rettungsgasse blockieren kostet 320 Euro

Länderkammer verschärft die Bußgeldhöhe, wenn Rettungsgassen nicht beachtet werden. mehr »

Palliativmedizin erfordert Zusatzqualifikation

Die Debatte um die Verpflichtung von Hausärzten zur Zusatzausbildung in Palliativmedizin schlägt hohe Wellen. In der KBV-Vertreterversammlung am Freitag wurde KBV-Vize Hofmeister nun grundsätzlich. mehr »