Ärzte Zeitung online, 04.08.2011

Anaphylaxie: AGATE lehrt den richtigen Umgang

NEU-ISENBURG (eb). Allergie-Patienten und Eltern betroffener Kinder können sich zum richtigen Verhalten bei anaphylaktischem Schock schulen lassen. Das Training wird bundesweit angeboten.

Besonders Personen mit bekanntem Anaphylaxie-Risiko sollten unbedingt geschult werden. Die Arbeitsgemeinschaft Anaphylaxie Training und Edukation (AGATE) bietet deshalb seit Neuestem ein bundesweites, standardisiertes und evaluiertes Trainingsprogramm.

Die Schulungen zum Thema Anaphylaxie werden geleitet von Professor Johannes Ring von der TU in München, teilt die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) mit.

Jeweils drei Stunden Schulung an zwei Abenden

In den Kursen der AGATE vermitteln Ärzte, Psychologen und Ernährungsberater betroffenen Patienten und Eltern von Anaphylaxie gefährdeten Kindern an zwei Abenden (zu je drei Zeitstunden) Hintergrundwissen zu Anaphylaxie, Strategien zur Allergenvermeidung und praktische Maßnahmen des Notfallmanagements.

Schulungszentren gibt es bereits in Berlin, Köln, München, Wiesbaden, Freiburg, Tübingen, Bonn, Aachen und Osnabrück. Aktuelle Programme und Termine könnten in den jeweiligen Zentren angefragt werden, so die GPA.

Häufigster Auslöser einer Anaphylaxie bei Kindern und Jugendlichen sind Nahrungsmittel, besonders Erdnüsse oder Nüsse. Untersuchungen aus dem deutschsprachigen Anaphylaxie-Register hätten ergeben, dass diese die Ursache von etwa zwei Drittel aller Anaphylaxie-Fälle sind.

"Jedes zehnte Kind in Deutschland reagiert im Allergietest positiv auf Erdnuss", wird der Kölner Kinder- und Jugendarzt Dr. Ernst Rietschel von der GPA zitiert. "Eine Nussallergie ist sehr gefährlich, weil bereits Allergen-Mengen von weniger als ein Gramm fatale allergische Reaktionen auslösen können", erinnert Rietschel.

Anaphylaxie-Symptome schon nach Minuten

Wie wichtig die Schulung der betroffenen Patienten und Eltern von Anaphylaxie gefährdeten Kindern ist, unterstreicht der Umstand, dass allergische Schocks innerhalb von Minuten tödlich verlaufen können. So vergehen nach Angaben der GPA bei Nahrungsmittel-Allergikern zwischen dem Essen des Auslösers und einem anaphylaktischen Schock etwa 30 Minuten.

Bei Insektengift treten erste Beschwerden durchschnittlich schon nach etwa zwölf Minuten auf und bei Allergien auf Medikamente können anaphylaktische Symptome bereits nach fünf Minuten auftreten.

Für den Notfall gibt es ja Adrenalin-Autoinjektoren (Notfall-Pens). Diese Selbsthilfe-Pens können sich Risiko-Patienten und Eltern von Anaphylaxie gefährdeten Kindern vom Arzt verschreiben lassen. Sie dienen als Sofort-Maßnahme, wenn eine anaphylaktische Reaktion droht.

Viele haben Angst, den Pen falsch einzusetzen

"Aber auch hier ist eine breite Aufklärung und Schulung wichtig. Die meisten Betroffenen wissen oft gar nicht, dass sie sich diesen Pen verschreiben lassen können. Darüber hinaus herrscht bei den Patienten oft eine große Unsicherheit, wie dieser einzusetzen ist", betont Rietschel.

"Aus Angst ihn falsch einzusetzen oder auch aus Angst vor dem Pikser kommen die Pens teilweise so auch gar nicht zum Einsatz."

Infos zu Schulungszentren: www.aktionsplan-allergien.de

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